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Scharfe Töne

Einige Monate lang schien es, als wolle Nordkorea sich öffnen. Doch nun schwenkt Pjöngjang auf seinen alten Konfrontationskurs zurück.

Nordkorea poltert wieder. Nachdem das weitgehend isolierte erzkommunistische Regime in den vergangenen Monaten Signale einer vorsichtigen Öffnung gesendet hatte, zeigte es nun, dass seine Strategie der fortwährenden Provokation noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Mit drastischen Formulierungen griff die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Südkoreas seit Februar amtierenden Präsidenten Lee Myung Bak an. Lee sei ein „Verräter“ und „Kriecher“ vor den USA, hieß es in einem von allen Tageszeitungen des Landes gedruckten Leitartikel. Seine Washington-freundliche Politik habe „unwiderrufliche, katastrophale Folgen“ und werde das Einfrieren der innerkoreanischen Beziehungen nach sich ziehen. Damit nicht genug, drohte KCNA, Lee solle „die Geduld und das Schweigen“ der Regierung in Pjöngjang nicht missverstehen. Der Norden sei bereit, Südkorea mit einem Präventivschlag „nicht nur in ein Flammenmeer“ zu verwandeln, sondern „in Asche“ zu legen, sollte er sich dazu gezwungen fühlen.

Pjöngjang reagierte damit auf Lees Ankündigung, seine konservatives Kabinett werde gegenüber dem Norden einen härteren Kurs fahren als die Vorgängerregierung. Wirtschaftliche Zusammenarbeit soll künftig von konkreten Fortschritten beim Abbau des umstrittenen Atomprogramms abhängig gemacht werden. Außerdem verlangt Lee die Rückkehr von verschleppten Südkoreanern und plant die Einrichtung einer südkoreanischen Menschenrechtskommission, um die Situation im Norden zu überprüfen.
Wohl nicht zuletzt deshalb zögert Nordkorea die im vergangenen Herbst vereinbarte Offenlegung seines Atomprogramms seit Monaten hinaus. Sowohl von Südkorea als auch von den USA hagelte es dafür Kritik. Seouls neuer Generalstabschef erklärte, sein Land werde im Fall eines Angriffs des Nordens dessen Atomwaffenstützpunkt durch einen Militärschlag ausschalten. Washington forderte seinerseits, Nordkorea müsse neben den Details zu seinem eigenen Uran-Anreicherungsprogramm auch Angaben zu der nuklearen Zusammenarbeit mit Syrien machen, von der in Geheimdienstkreisen ausgegangen wird. Pjöngjang bestreitet dies und bezeichnete die amerikanischen Forderungen als „ungerecht“.

Schon vergangene Woche hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-il deswegen den Ton verschärft. Am Donnerstag ließ er mehrere südkoreanische Beamte des Vereinigungsministeriums aus dem gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong ausweisen. Einen Tag später schoss das Militär von einem Schiff drei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von mehr als 40 Kilometern ins Meer.

Bevor sich die Fronten zu sehr verhärten, will Washingtons Atomunterhändler Christopher Hill Nordkorea wieder zur Kooperation überreden. Nachdem er gestern zu Gesprächen in Seoul eintraf, könnte er auf seiner nächsten Station in Indonesien mit seinem nordkoreanischen Gegenüber Kim Gye-kwan zusammenkommen. Kim dürfte auf neue Hilfslieferungen drängen. Im Frühjahr ist Nordkorea dringend auf Importe von Dünger und Diesel angewiesen. Ob Hill diese zusagen wird, ist ungewiss. Aber wenigstens eine gute Nachricht hat er dabei: Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigt, dass sich die Meinung der Amerikaner über die Nordkoreaner allmählich verbessert. Das Land steht nicht mehr auf der Liste der drei Staaten, gegen die US-Bürger die größten Abneigungen hegen. Dort steht der Iran, gefolgt von Irak und China. Nordkorea belegt aber immer noch einen guten vierten Platz.

Bernhard Bartsch | 02. April 2008 um 05:18 Uhr

 

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