Bernhard Bartsch

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Rot stoppt blau

Chinas Zensoren bremsen „Avatar“ aus. Die Geschichte der blauen Rebellen weckte bei den Chinesen politisch unkorrekte Assoziationen.

Chinas Zensoren haben offenbar noch freie Kapazitäten: Mitten im Streit um Googles möglichen Rückzug aus der Volksrepublik haben die Behörden sich mit einem zweiten großen US-Konzern angelegt: dem Filmverleiher 21. Century Fox.Dessen Blockbuster „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ soll trotz gewaltigen Besucheransturms aus der Mehrheit der chinesischen Kinos verschwinden. Pekinger Kinobetreiber berichten, dass der Streifen ab Freitag nur noch in Lichtspieltheatern mit 3D-Technologie gezeigt werden dürfe, und damit nur in einem Bruchteil der Säle, in denen er gegenwärtig läuft. Das Werk des Oscar-Gewinners James Cameron hatte in den ersten acht Tagen in der Volksrepublik bereits die Rekordsumme von 300 Millionen Yuan (30 Millionen Euro) eingespielt und sollte eigentlich noch bis zu den chinesischen Neujahrsferien Mitte Februar Zuschauer in die Kinos locken.

Einen Grund für die ungewöhnliche Maßnahme gaben die Behörden nicht. Nach Ansicht der chinakritischen Hongkonger Zeitung Apple Daily könnten die Zensoren sich an den Diskussionen gestört haben, die der Film im Internet auslöste. In Chatforen bringen viele Menschen die Geschichte von der gewaltsamen Vertreibung eines Volkes mit der chinesischen Gegenwart in Verbindung. In den vergangenen Jahren mussten Millionen Chinesen zwangsweise ihre Häuser und Wohnungen verlassen, um Platz für neue Bauprojekte zu machen. „Für Zuschauer in anderen Ländern ist eine solche brutale Räumung jenseits ihrer Vorstellungskraft“, schrieb etwa der einflussreiche Blogger Han Han. „Es kann nur auf einem anderen Planeten oder in China stattfinden.“ Die Diskussion wurde auch von offiziellen Medien aufgenommen. Selbst die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, der Film spiegle für viele Kinogänger „einen bekannten sozialen Konflikt“ wieder. Die Behörden hätten offenbar Angst, das solche Assoziationen „womöglich Gewalt auslösen“ könnten, schrieb die Apple Daily.

Möglicherweise dient die Zensur aber auch als protektionistische Maßnahme und soll die chinesischen Filme vor der ausländischen Konkurrenz in Schutz nehmen. Ab Samstag kommt in China das aufwändige Historienepos „Konfuzius“ in die Kinos. Der Streifen soll den Chinesen nicht nur ihren Nationalphilosophen nahe bringen, sondern dient auch der politischen Erziehung. Die Kommunistische Partei bemüht sich seit Jahren, die Lehren des Konfuzius in ihre eigene Ideologie einzubauen und damit ihre Macht zu legitimieren. Da passt die Geschichte der blauen Rebellen aus „Avatar“ schlecht ins Konzept.

Bernhard Bartsch | 19. Januar 2010 um 15:45 Uhr

 

Ein Kommentar

  1. Marcel Grzanna

    22. Januar 2010 um 06:32

    respekt
    gute texte und reichlich output

    gruß