Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Reicher Onkel China

Für Pekings Außenpolitiker hat die Sicherung von Rohstoffen höchste Priorität – auch wenn sie damit korrupten Regimen den Machterhalt sichern.

Es war beim Staatsbankett, die offiziellen Gespräche waren längst gelaufen, als Chinas Präsident Hu Jintao seinem Gast noch beiläufig eine wichtige diplomatische Botschaft mit auf den Weg gab. “Es gibt keine Alternative zu Hamid Karzai”, erklärte Hu Mitte Mai dem deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, der in China seine letzte dienstliche Auslandsreise absolvierte. In einer Zeit, da der westliche Regierungen aus ihren Problemen mit Afghanistans Präsidenten kaum noch einen Hehl machten, wollte Peking keine falschen Hoffnungen aufkommen lassen, man werde sich an einer Demontage des umstrittenen Regierungschefs beteiligen.

Hu hat allen Grund, Karzai die Treue zu halten. Unter seiner Herrschaft ist Afghanistan für China von einem Sorgennachbarn zu einem lukrativen Markt geworden. Im Gegenzug für finanzielle Unterstützung und Hilfe beim Infrastrukturaufbau hat Kabul Pekings Staatskonzernen die Rechte an wichtigen Rohstoffvorkommen in Aussicht gestellt. 2008 erhielt ein chinesisches Konsortium bereits den Zuschlag für den Abbau der Aynak-Kupfermine südlich der afghanischen Hauptstadt. Die Förderung soll in drei bis vier Jahren beginnen und Afghanistans Regierung 4,4 Milliarden Dollar einbringen. Auch im internationalen Wettbieten um die Eisenerzmine Hajigak, die bis zu sechs Milliarden Dollar wert sein soll, rechnet China sich auch gute Chancen aus. An Afghanistans Öl- und Gasvorkommen hat die Volksrepublik ebenfalls aktives Interesse bekundet.

Pekings Engagement im Afghanistan ist typisch für die chinesische Außenpolitik: Die Sicherung von Ressourcen hat für Chinas Diplomaten höchste Priorität. Denn das Land verfügt selbst bloß über wenige Rohstoffe und kann seinen Wirtschaftsboom nur aufrecht erhalten, indem es sich im Ausland Zugänge zu Erzen und Energieträgern zu kaufen. Wo immer neue Minen, Öl- oder Gasfelder erschlossen werden, bieten die chinesischen Staatsbetriebe mit, und da sie Zugang zu Chinas gewaltigen Devisenreserven von über 2000 Milliarden Dollar haben, spielt Geld meist keine Rolle. Da Chinas Gebote in Industrienationen wie Australien, den USA oder Kanada dennoch wiederholt auf politische Vorbehalte stoßen, bemüht sich Peking besonders um Länder, mit denen der Westen nur ungern Geschäfte macht, etwa mit Simbabwe, dem Sudan und anderen afrikanischen Diktaturen, mit dem Iran, Nordkorea oder Venezuela. Dass Peking keinerlei Ambitionen haben, politischen Einfluss zu nehmen, macht es für Herrscher mit zweifelhafter Legitimation attraktiv, mit den Chinesen zu kooperieren. Häufig bietet die Volksrepublik seinen Geschäftspartnern sogar politische Rückendeckung in internationale Gremien. Unter anderem hat Peking als Vetomacht im Uno-Sicherheitsrat schon mehrfach Sanktionsforderungen gegen den Iran oder Nordkorea verhindert oder zumindest abgeschwächt. Außerdem bezahlt die Volksrepublik ihre Rohstoffe auch mit Entwicklungsleistungen wie Straßen, Eisenbahnen oder Telekommunikationsnetzen – und bringt die Arbeiter dafür oft sogar selbst mit. Westliche Länder haben zunehmend das Nachsehen.

Bernhard Bartsch | 16. Juni 2010 um 04:25 Uhr

 

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