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Razzia bei Ai Weiwei

Chinas Polizei nimmt kritischen Künstler und Mitarbeiter fest. Womöglich droht Ai Weiwei eine lange Haftstrafe.

Chinas Kommunistische Partei hat ihren prominenten Kritiker, den Künstler Ai Weiwei, festnehmen lassen. Der Künstler wurde am Sonntag gegen 8.30 Uhr am Pekinger Flughafen verhaftet, als er nach Hongkong fliegen wollte. „An der Passkontrolle wurde er abgeführt“, erklärte eine Begleiterin. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Wenig später starteten dann rund zwanzig Polizisten eine Razzia in Ais Studio, wie ein anderer Mitarbeiter berichtete. „Gegen zwölf Uhr klopften sie an die Tür. Als sie nicht sofort Einlass bekamen, drohten sie, mit der Leiter über die Mauer zu steigen.“ Unter den Beamten, die einen Durchsuchungsbefehl zeigten, befanden sich neben normalen Polizisten auch Angehörige der Militärpolizei und anderer Sicherheitsdienste. Insgesamt elf Mitarbeiter wurden festgenommen, drei von ihnen befanden sich bei Redaktionsschluss noch in Polizeigewahrsam. Der Informant zeigte Filmaufnahmen, die das verwüstete Studio zeigen. „Alle Computer des Büros sind mitgenommen worden, insgesamt mehr als 20 Stück“, sagte er. „Auf den Rechnern befanden sich alle Informationen zu Ai Weiweis Projekten.“

Der 53-Jährige steht wegen seiner offenen Kritik an der Regierung seit Jahren unter Druck. Vergangene Woche erst sagte Ai, er plane, ein Studio in Berlin zu eröffnen. Aufgrund der harten Repressalien sei er „einfach ratlos, wie ich hier weiterarbeiten kann“. Nun könnte ihm eine langjährige Haftstrafe drohen. Der Schlag gegen Ai und seine Mitarbeiter war offenbar minutiös geplant.

Am vergangenen Dienstag beobachteten Mitarbeiter des Künstlers einen Polizisten, der abends das Studio observierte. Am Folgetag tauchten rund 15 Beamte unter dem Vorwand auf, die Feuersicherheit überprüfen zu wollen. „Es waren Polizisten, aber auch Mitarbeiter der Staatssicherheit, die sich nicht ausgewiesen haben“, berichtete der Mitarbeiter. „Zwei von ihnen kannte Ai Weiwei von früheren Verhören.“ Am Donnerstag stand spätabends abermals die Polizei vor der Tür, diesmal, um Ais ausländische Mitarbeiter zu registrieren. Am Freitag seien sie wieder gekommen, um die Daten einiger ausländischer Mitarbeitern aufzunehmen. Am Sonntag folgte dann die Großrazzia.

Bernhard Bartsch | 03. April 2011 um 16:11 Uhr

 

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