Bernhard Bartsch

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Prinz Toyoda wird König Toyota

Toyotas Gründerenkel Akio Toyoda rückt an die Spitze des weltgrößten Autokonzerns – ein ungemütlicher Posten

Beruf, Hobby und Familie sind für Akio Toyoda eins: Alles dreht sich um Autos – und überall strebt der 52-Jährige an die Spitze. Im Juni wird er dort ankommen. Dann soll Toyoda, der 2007 beim 24-Stunden-Rennen in einem von ihm selbst mitentwickelten Toyota Lexus vier Stunden lang über den Nürburgring raste, die Führung des Konzerns übernehmen, den sein Großvater vor 75 Jahren als Ableger der elterlichen Webstuhlfirma gründete und der bis heute in leicht abgewandelter Form den Namen der Familie trägt. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, Toyoda solle beim Aktionärstreffen als neuer Vorstandsvorsitzender gewählt werden soll; der bisherige Toyota-Chef Kasuaki Watanabe wechselt dann in den Aufsichtsrat. Nach 14 Jahren steht damit wieder ein Toyoda an der Spitze von Toyota.

Doch der Automobilenthusiast erbt keinen gemütlichen Posten. Das Tempo und die Ausdauer, die er hinter dem Steuer unter Beweis stellt, wird er auch auf dem Chefsessel brauchen. Obwohl Toyota 2008 zum größten Fahrzeughersteller der Welt nach Verkaufszahlen aufgestiegen sein dürfte, erwartet der Konzern für das im März endende Geschäftsjahr den ersten operativen Verlust seiner Geschichte. Infolge der Finanzkrise sank die Zahl der weltweit verkauften Toyotas 2008 um vier Prozent auf 8,972 Millionen Fahrzeuge. Ein Absatzziel für 2009 traut sich das Unternehmen bisher nicht zu formulieren. Die Vorgabe für Toyoda ist dagegen eindeutig: Er soll Toyota schnellstens wieder in den Bereich der schwarzen Zahlen lenken und dabei den Vorsprung auf die derzeit in noch weitaus dramatischeren Schwierigkeiten steckende Konkurrenz möglichst vergrößern.

Wie Toyoda das erreichen will, hat er bisher nicht verraten. „Ich werde wieder zu den Grundsätzen zurückkehren, auf denen dieses Unternehmen aufgebaut wurde“, kleidete er sich am Dienstag in Allgemeinplätze. „Ich habe vor, so mutig wie nötig zu sein, um Reformen voranzubringen.“ Japanische Medien spekulieren, er werde die Führungsriege komplett umbauen, weil er sie für zu konservativ und bürokratisch halte. Intern soll Toyoda in den vergangenen Monaten immer wieder betont haben, dass die Finanzkrise längst nicht die einzige Sorge des Unternehmens sei, sondern dass die Probleme teilweise als hausgemacht betrachtet werden müssten. So habe Toyota hat in den vergangenen Jahren so aggressiv expandiert, dass es in einigen Märkten zu Überkapazitäten, Produktionsfehlern und schlechter Abstimmung der Autos auf die Zielkundschaft gekommen sei.

Zwar meinen Kritiker, dass Toyota mit der neuerlichen Aufwertung des Familien-Clans, der nur noch zwei Prozent der Aktien aber weitaus mehr Einfluss besitzt, das falsche Signal sende, zumal Toyoda für einen japanischen Firmenchef ungewöhnlich jung sei. Doch der Steilaufsteiger kennt sich in dem Konzern zweifellos gut aus. Nach einem Jurastudium an der Keio Universität in Tokio, einem MBA-Abschluss am Babson-College bei Boston und einer Anstellung bei einer US-Investmentbank begann er mit 28 Jahren seine Karriere bei Toyota. Zunächst bekam er eine lokale amerikanische Vertriebsorganisation übertragen, später leitete er ein Gemeinschaftswerk mit General Motors. Von dort ging es für Toyoda auf die Überholspur. 2000 wurde er das jüngste Vorstandsmitglied des Unternehmens und verantwortete die Unternehmensentwicklung in den Wachstumsmärkten Asiens, insbesondere Chinas. Seit 2005 war er für den weltweiten Vertrieb sowie für das Zulieferkettenmanagement zuständig.

Nun hofft man bei Toyota darauf, dass die Wette auf den Kronprinzen genauso gut aufgeht wie der leicht abergläubische Schritt, mit dem der Konzern 1937 das „d“ des Familiennamens in ein „t“ umwandelte. Im Japanischen wird das Schriftzeichen für die Silbe „ta“ wird mit acht Strichen geschrieben, eine Glückszahl, die für Wohlstand steht. Künftig muss das Unternehmen aber wieder mit einem „d“ an der Spitze erfolgreich sein.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2009 um 17:32 Uhr

 

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