Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Pizza Pjöngjang

In Nordkorea hat erstmals eine Pizzeria eröffnet. Sie dürfte vor allem die kulinarischen Gelüste von Diktator Kim Jong-il befriedigen.

Kein Land verweigert sich der Globalisierung konsequenter als Nordkorea, doch nun ist ein Hauch weite Welt durch den Panzer des interkommunistischen Staates geweht: In Pjöngjang hat erstmals eine Pizzeria eröffnet. Wie die in Japan erscheinende Zeitung „Choson Sinbo“ berichtet, soll das Lokal auf Anweisung der obersten Führung eröffnet worden sein, die den kulinarischen Fortschritt als Geschenk an ihr Volk verstanden wissen möchte. Diktator Kim Jong-il persönlich habe sich entschlossen, den Nordkoreanern „Zugang zu den berühmten Gerichten dieser Erde zu erlauben“.

Doch wie viele nordkoreanische Modernisierungsprojekte dürfte auch dieses vor allem die Bedürfnisse der Eliten befriedigen, die zunehmend Zugang zu internationalen Produkten haben, während ein Großteil des 24-Millionen-Volkes an Mangelernährung leidet. Laut „Choson Sinbo“ habe Kim schon vor Jahren Köche nach Neapel und Rom geschickt, um dort aus erster Hand das Pizza- und Pasta-Handwerk zu erlernen. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen scheinen die Küchenchefs nun den Geschmack des „Geliebten Führers“ getroffen zu haben. Mehl, Butter, Käse und andere Zutaten würden aus Italien eingeflogen sein.

Der 67-Jährige Herrscher steht im Ruf, ein ausgesprochener Gourmet zu sein. Jahrelang soll er einen japanischen Koch beschäftigt haben, der ihn mit Sushi versorgen musste. Nachdem dieser zurück in seine Heimat floh, versorgte er die Welt mit Indiskretionen über Kims Genusssucht. So verfüge der Diktator über einen großen Weinkeller mit edlen Bordeaux-Flaschen und exquisitem Cognac, berichtete er. Auch einen italienischen Küchenchef soll Kim schon einmal in seinen Diensten gehabt haben und außerdem regelmäßig Köche in alle Welt aussenden, um ihn mit den besten Lebensmitteln aus aller Herren Länder zu versorgen.

Sein eigenes Volk scheint dagegen im vergangenen Winter knapp an einer Hungersnot entkommen zu sein. Mehrere internationale Organisationen hatten davor gewarnt, dass die Versorgungslage der Nordkoreaner ähnlich schlecht sein könnte wie Ende der Neunziger, als zehntausende verhungerten. Auf der Flucht Armut und Unterdrückung fliehen jährlich tausende Nordkoreaner über die wilde Grenze nach China. 2007 hatte Flüchtling angegeben, er habe sich zur Desertion entschlossen, nachdem er eine südkoreanische Nudelpackung gesehen habe. Das Bild des appetitlichen Fertigessens habe ihn von der Überlegenheit des Kapitalismus überzeugt.

Bernhard Bartsch | 17. März 2009 um 05:27 Uhr

 

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