Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Per du mit Mao Zedong

Wie heißt Mao Zedong eigentlich mit Vornamen? Mao? Oder Zedong? Ein Schnellkurs in chinesischer Namenskunde.

In der Grundschule brachte mir ein Klassenkamerad aus linkem Elternhaus bei, dass man Revolutionäre stets beim Vornamen nennt: Fidel Castro hieß für ihn Fidel, Che Guevara rief er Che und Mao Zedong war einfach Mao. Ich hätte seiner Vertraulichkeit mit den Großen der Zeitgeschichte gerne etwas entgegengesetzt, denn ich konnte besagten Mitschüler nicht leiden. Aber da bei uns zu Hause nie über Revolutionäre gesprochen wurde, musste ich seinen Wissensvorsprung neidisch anerkennen.

Inzwischen weiß ich natürlich, was ich hätte sagen sollen: dass seine Eltern keine Ahnung haben, und er schon gar nicht. Denn nur Castro heißt mit Vornamen tatsächlich Fidel. Che war nur der Spitzname von Ernesto Guevara de la Serna. Und Mao hieß mit erstem Namen Zedong. Im Chinesischen steht der Familienname nämlich vorne.

Die Revanche kommt zu spät, aber sie hat einen gewissen Nutzen. Sich imaginär mit Revolutionären zu duzen, ist zwar kaum noch populär, Chinesen trifft man dafür häufiger und ganz real. Da ist es gut, wenn man ihre Vor- und Nachnamen auseinander halten kann.

Die Faustregel, dass der Familienname vorne steht, ist allerdings inzwischen mit Vorsicht zu genießen. So viele Chinesen sind im Ausland mit „Herr Vorname“ (also: Herr Zedong) angesprochen worden, dass sie auf den Visitenkarten von sich aus die Namen umdrehen („Zedong Mao, Revolutionär und Philosoph“). Deswegen gilt es, eine zweite Regel zu beachten: Chinesische Nachnamen haben nur eine Silbe. Zedong Mao ist also auch Herr Mao.

Wer sich beide Regeln merken kann, liegt in 90 Prozent der Fälle richtig. Die übrigen zehn Prozent sind kniffliger, etwa bei einsilbigen Vornamen. Chinas berühmteste Sportler sind der Basketballstar Yao Ming und der Hürdenläufer Liu Xiang. Nach der Faustregel heißen sie Herr Yao und Herr Liu. Wenn sie ihre Namen umdrehen, dürfen sie sich über Verwirrung nicht wundern.

Chinas ethnische Minderheiten haben oft Namen aus ihren eigenen Sprachen. Der Dalai Lama wurde als Tenzin Gyatso geboren. Man spricht ihn aber weder mit „Du, Tenzin“ noch mit „Herr Gyatso“ an, sondern mit „Eure Heiligkeit“.

Bernhard Bartsch | 03. April 2008 um 03:27 Uhr

 

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