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Panik im Penthouse

Nach dem Hochhausbrand in Shanghai sorgen sich viele Chinesen um die Sicherheit ihrer Wohnungen.

Der Brand eines Schanghaier Hochhauses, bei dem am Montag mindestens 53 Personen ums Leben gekommen sind, hat in chinesischen Medien und Internetforen eine Debatte über die Sicherheit von Gebäuden ausgelöst. Das verheerende Feuer wurde nach ersten Ermittlungsergebnissen durch nicht genehmigte Schweissarbeiten ausgelöst, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Das 85 Meter hohe Gebäude war für die Installation von Wärmedämmung mit einem Gestell aus Bambusstangen und Nylonnetzen eingerüstet. Das Kunststoffmaterial sei durch Funken in Brand geraten, hiess es. Über 70 Personen befinden sich noch im Krankenhaus, 15 davon in kritischem Zustand. Die Schanghaier Polizei erklärte, sie habe inzwischen acht Personen festgenommen, ohne jedoch genauere Angaben zu ihrer Identität zu machen. Chinesische Medien zitierten Überlebende und Anwohner, die der Feuerwehr vorwarfen, nicht schnell genug reagiert zu haben.

Andere Kommentatoren erkannten in der Tragödie jedoch ein grundsätzlicheres Problem: Die Feuerwehrleute hatten grosse Probleme, den Brand in den oberen Stockwerken zu erreichen. Erst als sie anfingen, Löschwasser von den Dächern benachbarter Gebäude zu spritzen, bekamen sie das Feuer nach über vier Stunden unter Kontrolle. Dabei erwies es sich als Glücksfall, dass ähnlich hohe Häuser in unmittelbarer Nähe standen, andernfalls hätten sich die Löscharbeiten noch schwieriger gestaltet. Ausserdem liess die Feuerwehr mehrere Bewohner mit Helikoptern vom Dach des Hauses evakuieren.

Insgesamt waren 133 Feuerwehrwagen und 1300 Feuerwehrmänner im Einsatz. Experten bemängeln, dass die Feuerwehren vielerorts unzureichend für Brände in einer Höhe von mehr als 60 Metern ausgerüstet seien. «Die höchste Feuerleiter in ganz China ist gerade einmal 100 Meter hoch, aber allein in Schanghai gibt es fast tausend Gebäude, die höher als 100 Meter sind», sagte Wang Wuren, ein früherer Chefingenieur eines grossen staatlichen Baukonzerns, der Agentur Xinhua. Der Polizeiminister Meng Jianzhu gestand am Dienstag ein, dass die Gefahr von Hochhausbränden zunehme. «Wir befinden uns in einer Zeit, in der es leicht zu Feuerkatastrophen kommen kann», sagte Meng. «Dieses Desaster muss uns eine Lehre sein.» Er wies die Behörden an, die «Gefühle der Menschen schnell zu beruhigen und Konflikte zu entschärfen».

Doch Millionen Chinesen machen sich nun Sorgen um die Sicherheit ihrer Gebäude. Erst Anfang November waren in der nordostchinesischen Provinz Jilin bei einem Kaufhausbrand 19 Personen getötet worden. Im Frühjahr 2009 war in Peking ein Gebäude des neuen Fernsehturmkomplexes ausgebrannt, nachdem es von einem Feuerwerkskörper getroffen worden war.

Zwar sind Hochhausbrände in China insgesamt selten. Aber die Einhaltung von Baurichtlinien und Feuerschutz ist immer wieder ein Thema. Im Mai 2008 hatte sich etwa bei dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan gezeigt, dass bei vielen Gebäuden die Vorschriften bezüglich Erdbeben verletzt worden waren.

Ein Problem ist weiterhin, dass Bauarbeiten in China meist Wanderarbeitertrupps machen, die nur selten über eine fachliche Ausbildung verfügen und daher über Gefahren oder Brandschutzmassnahmen schlecht Bescheid wissen.

Bernhard Bartsch | 17. November 2010 um 03:36 Uhr

 

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