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Nordkorea hält US-Journalistinnen fest

Fernsehreporterinnen sollen am nordkoreanisch-chinesischen Grenzfluss gefilmt haben. Ihre Verhaftung könnte ein langes diplomatisches Armdrücken auslösen.

Nordkorea und den USA droht der nächste Konflikt: Grenzposten des abgeschotteten Landes sollen Anfang der Woche zwei amerikanische Journalistinnen festgenommen haben. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Südkoreanischen Medienberichten zufolge sollen die Fernsehreporterinnen des kalifornischen Nachrichtennetzwerks Current TV an einem chinesisch-nordkoreanischen Grenzfluss gefilmt haben. Zwar gibt es für ihr Verschwinden noch keine offizielle Bestätigung, doch sollten die Journalistinnen tatsächlich Nordkoreas Sicherheitskräften in die Hände gefallen sein, dürfte ihr Schicksal zum Spielball eines seit Monaten eskalierenden Konflikts werden: Pjöngjangs wirft Seoul und Washington Feindseligkeit vor, droht mit Krieg und hat die Kommunikation weitgehend abgebrochen.

Was genau sich am Dienstag an der nordkoreanischen Grenze abgespielt hat, lässt sich bisher nur bruchstückhaft rekonstruieren. Der südkoreanische Nachrichtensender YTN berichtete unter Berufung aus diplomatische Kreise, die beiden Reporterinnen, von denen mindestens eine koreanischer Abstammung sein soll, hätten sich auf der chinesischen Seite des Tumen-Flusses befunden und Aufforderungen der nordkoreanischen Grenzposten ignoriert, nicht weiter zu filmen. Daraufhin sollen die Soldaten den Strom überquert und die Journalistinnen verschleppt haben. Die Nachrichtenagentur AFP will dagegen aus einer anderen diplomatischen Quelle erfahren haben, dass die Frauen selbst den Fluss überquert hätten. China und Nordkorea teilen sich seine 1400 Kilometer lange Grenze, über die jährlich tausende Nordkoreaner aus dem erzkommunistischen Staat flüchten.

Weder die US-Botschaft in Seoul noch das US-Außenministerium wollten sich bisher zu dem Fall äußern. Auch die Außenämter Südkoreas und Chinas machten keine Angaben. Pekings Außenministeriumssprecher Qin Gang erklärte am Donnerstag lediglich, der Fall werde untersucht. Es wäre das erste Mal seit über zehn Jahren, dass Nordkorea ausländische Staatsbürger festhält. Zuletzt war 1996 ein US-Bürger für drei Monate in Nordkoreas Gewahrsam, nachdem er im Yalu-Fluss geschwommen und von Nordkorea als Spion festgenommen worden war. Zwei Jahre zuvor war ein US-Helikopterpilot wochenlang festgehalten worden, nachdem er im nordkoreanischen Luftraum abgeschossen worden war. In früheren Jahrzehnten hatte Nordkorea dutzende Südkoreaner und Japaner gekidnappt, die eigene Spione ausbilden sollten. Die Entführungen, von denen Diktator Kim Jong-il bisher nur einen Teil eingestanden hat, sind bis heute ein diplomatisches Reizthema zwischen Nordkorea und Japan. In den Sechzigern waren außerdem mehrere US-Soldaten, die entlang der Waffenstillstandslinie mit Südkorea stationiert waren, nach Nordkorea desertiert. Erst vier Jahrzehnte später wurde ihnen die Ausreise erlaubt.

Anfang März hatte Nordkorea seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft versetzt, eine Reaktion auf den Beginn eines zwölftägigen Gemeinschaftsmanövers US-amerikanischer und südkoreanischer Truppen, das am Freitag beendet wird. Für April hat Pjöngjang den Start eines eigenen Satelliten angekündigt, wobei es sich nach Ansicht westlicher Experten allerdings um einen kaschierten Langstreckenraketentest handeln soll. Nordkorea würde damit gegen eine Uno-Resolution verstoßen. Im Streit hat Pjöngjang am vergangenen Dienstag nach US-Angaben alle weiteren Hilfslieferungen von Nahrungsmitteln zurückgewiesen. Dabei leiden nach Angaben der Vereinten Nationen rund neun Millionen der 24 Millionen Nordkoreaner unter Hunger oder Mangelernährung.

Bernhard Bartsch | 20. März 2009 um 05:32 Uhr

 

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