Bernhard Bartsch

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Nordkorea bleibt in Familienbesitz

Diktator Kim Jong-il regelt sein Erbe und sichert den Machterhalt des Klans gleich doppelt ab: Seine Schwester und sein jüngster Sohn erhalten hohe Ämter.

Und die große Neuigkeit ist: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il bleibt Nordkoreas Diktator! So lässt sich zusammenfassen, was die nordkoreanischen Medien am Dienstag über den ersten Parteikongress seit dreißig Jahren berichteten. Seit dem Morgen hatte die Staatspresse das Volk darauf vorbereitet, dass es um 14 Uhr Ortszeit eine „bedeutsame Nachricht“ geben werde, und verkündete dann, der „Geliebte Führer“ General Kim Jong-il sei von der Arbeiterpartei „unter einem Beifallssturm erneut als Generalsekretär nominiert worden“.

Die formelle Auffrischung von Kims 13 Jahre altem Herrschaftsmandat erfüllt durchaus einen Zweck: Kim Jong-il betrachtet Nordkorea unvermindert als den Privatbesitz seiner Familie. Die eigentliche Botschaft des seit Wochen erwarteten Parteikongresses war dagegen am Vorabend eher beiläufig in den Spätnachrichten vermeldet worden: Kim bringt gleich zwei Verwandte als Erben in Stellung: seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un sowie seine Schwester Kim Kyoung-hui. Beide wurden in den Rang von 4-Sterne-Generälen gehoben – eine Beförderung, die in dem von Kim Jong-il unter der Devise „Militär zuerst“ aufgebauten Herrschaftssystem unmissverständliche Symbolkraft trägt. Für den auf etwa 28 Jahre geschätzten Kim Jong-un war es das erste Mal, dass sein Name in den nordkoreanischen Namen erwähnt wurde, seine 64-jährige Tante hat bereits seit Jahren Parteiämter inne und leitet das Ministerium für Leichtindustrie. Welche genauen Führungsfunktionen die beiden übernehmen und wie viel Einfluss sie tatsächlich haben, bleibt aber bis auf weiteres das Geheimnis der abgeschotteten Machtclique.

Ausländische Beobachter hatten seit über einem Jahr damit gerechnet, dass der seit 2008 schwer kranke Diktator, seinen jüngsten Sohn als Erben installieren wolle. Doch eine pompöse Nachfolgerkür, wie Nordkoreas Staatsgründer Kim Il-sung sie beim letzten Parteikongress im Jahr 1980 für seinen Sohn Kim Jong-il inszenierte, ist ausgeblieben. Um die Gründe dafür ranken sich diverse Spekulationen. Die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ will erfahren haben, dass der Kim-Sohn in einer internen Proklamation zum alleinigen Nachfolger ausgerufen worden sei. Womöglich soll der noch unerfahrene Jung-General aber erst im System Erfahrung sammeln und Respekt erwerben, bevor er prominent in die Öffentlichkeit tritt. Andere Stimmen vermuten, dass seine Tante selbst die Führungsrolle für sich beansprucht habe – immerhin wurde sie auf der Liste der Beförderten, auf der noch vier weitere 4-Sterne-Generäle standen, vor Kim Jong-un genannt worden. Sie und ihr Mann gelten seit langem als Kim Jong-ils engste Vertraute. Sie könnten nach dem Tod des „Geliebten Führers“ womöglich besser die Stabilität des Systems sichern und als Übergangsherrscher fungieren. Denkbar ist aber auch, dass der Parteitag für die Kims eine Niederlage darstellt, weil es ihnen nicht gelungen ist, ein klares Mandat für die nächste Führungsgeneration zu erhalten. So könnte es sein, dass nach Kim Jong-ils Tod andere Faktionen die Macht zu übernehmen versuchen, etwa Teile der Armeeführung. Dort soll die Beförderung von Kim Jong-un auf große Vorbehalte gestoßen sein, wie nordkoreanische Flüchtlingsorganisationen in Seoul erfahren haben wollen. Kim Jong-il war Ende August nach China gereist, um sich von der dortigen Führung, seinem engsten internationalen Verbündeten, die Unterstützung für seine Wunschregelung zu holen. Chinesische Experten gehen allerdings davon aus, dass Peking ihm nicht die erwünschte Rückendeckung gegeben habe. In China wünscht man sich eine Abkehr von der Familienherrschaft und die Machtübernahme durch ein Parteikollektiv, das Wirtschaftsreformen nach chinesischem Vorbild einführen könnte.

Bernhard Bartsch | 28. September 2010 um 15:36 Uhr

 

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