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Neue Vogelgrippe-Fälle

Erreger ist möglicherweise bereits gegen den Impfstoff resistent

In Asien sind mehrere neue Fälle der Vogelgrippe aufgetreten. In Hongkong, Indonesien und Thailand bestätigten die Behörden den Verdacht auf einen neuen Ausbruch der Geflügelseuche, die auch auf Menschen überspringen kann und in den meisten Fällen tödlich endet.

Am Dienstag teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO mit, dass ein Ende November in Jakarta gestorbenes zweijähriges Mädchen mit dem sogenannten H5N1-Virus infiziert war. „Die ersten Nachforschungen legen nahe, dass die Infektionsquelle ein Markt mit lebenden Vögeln war.“ Das Mädchen ist das 246. menschliche Todesopfer der Seuche. Durch Zugvögel war der Erreger in vergangenen Jahren auch nach Deutschland gelangt.

In Hongkong begannen die Behörden am Mittwoch, 80 000 Stück Geflügel zu keulen, nachdem am Sonntag auf einer Geflügelfarm mit 60 000 Tieren plötzlich 200 Hühner gestorben waren. Es sei der erste Ausbruch auf einem Hongkonger Bauernhof in sechs Jahren, erklärte Gesundheitsminister York Chow.

Besorgt zeigte sich Chow darüber, dass zu den toten Hühnern sowohl geimpfte als auch nicht geimpfte Tiere gehörten. Dies könnte darauf hinweisen, dass der Virenstamm sich inzwischen verändert habe und resistent geworden sei. Um einen neuen Ausbruch möglichst schnell entdecken zu können, bleibt auf Hongkonger Geflügelfarmen stets ein Teil der Tiere ungeimpft.

Hoher Sicherheitsstandard

Laut Chow ist noch nicht endgültig geklärt, ob es sich bei dem jüngsten Ausbruch um den Erreger H5N1 oder eine andere Variante des H5-Virus handelt. Der Minister gab eine „ernste Warnung“ heraus. Unklar ist auch, über welche Kanäle das Virus erneut nach Hongkong gekommen ist. Die ehemalige britische Kronkolonie verfügt über einen der höchsten Sicherheitsstandards der Region. Von südchinesischen Hühnerfarmen außerhalb der Sonderverwaltungszone Hongkong wurden bisher keine Ausbrüche der Krankheit bekannt.

Als Vorsichtsmaßnahme schlossen die Behörden der Nachbarprovinz Guangdong am Mittwoch die Grenzen für Geflügelhandel. Bereits vergangene Woche hatte China die Einfuhr von Geflügel und Geflügelprodukten aus Thailand gesperrt, nachdem dort bereits Ende Oktober ein Ausbruch der Vogelgrippe bestätigt worden war.

Nach Angaben der WHO haben sich seit dem ersten Auftreten der Vogelgrippe mindestens 389 Menschen in 15 Ländern infiziert; 63 Prozent der Erkrankten starben. Am stärksten betroffen ist Indonesien mit 113 Todesfällen, gefolgt von Vietnam mit 52, Ägypten mit 22 und China mit 20.

In den vergangenen Jahren hatten Forscher mehrfach den Verdacht geäußert, das Virus könne sich bereits so verändert haben, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen werde. Sollte es dazu kommen, droht eine weltweite Pandemie mit möglicherweise weitaus schlimmeren Folgen als die Sars-Epidemie von 2003. Damals hatten sich mehr als 8000 Menschen infiziert, zehn Prozent davon starben.

Bernhard Bartsch / Hongkong

Frankfurter Rundschau, 11. Dezember 2008

Bernhard Bartsch | 11. Dezember 2008 um 10:54 Uhr

 

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