Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Mr. Softpower und die ausländische Schlampe

Der chinesische Moderator Yang Rui hetzt im Internet gegen Ausländer. Seinen Arbeitgeber, den Staatssender CCTV, scheint das nicht zu stören.

Was wäre wohl los, wenn Günther Jauch fordern würde, Deutschland müsse „den ausländischen Dreck säubern“? Wenn er verlangen würde, die „ausländischen Schlangenköpfe abzuschneiden“ und „die ausländischen Banditen wegzusperren, um unsere unschuldigen Mädchen zu schützen“? Jauch würde sicher im Nu vom populären Moderator zum geächteten Ex-Moderator werden.

Nicht so Yang Rui, Star des chinesischen Staatsfernsehens CCTV und Gastgeber von „Dialogue“, einer englischsprachigen Sendung, die allabendlich das Verständnis zwischen China und dem Rest der Welt verbessern soll. Viel Prominenz saß schon in Yangs Studio, darunter zwei ehemalige US-Präsidenten und der deutsche Botschafter. Doch was der 48-Jährige am vergangenen Mittwoch in seinem Mikroblog verbreitete, lässt sich kaum als Bekenntnis zur Völkerfreundschaft lesen. Mit ungebremster Abscheu zog er über in China lebende Ausländer her. „Menschen, die in den USA oder Europa keine Jobs finden, kommen nach China, klauen unser Geld, betreiben Menschenhandel und verbreiten Lügen“, echauffierte sich Yang. „Ausländische Agenten suchen sich chinesische Mädchen, um ihre Spionage zu tarnen, oder geben sich als Touristen aus, während sie Karten und GPS-Daten für Japan, Korea und den Westen erstellen.“

Anlass für seinen Ausbruch war eine hunderttägige Kampagne gegen illegal in China lebende Ausländer. „Das Büro für öffentliche Sicherheit will den ausländischen Dreck säubern“, applaudierte Yang und legte nahe, dass die Behörden nicht nur die Aufenthaltspapiere, sondern auch die Gesinnung überprüfen sollten. Mit Blick auf die kürzlich ausgewiesene Korrespondentin des arabischen Senders Al-Dschasira, Melissa Chan, schrieb er: „Diese ausländische Schlampe haben wir rausgeworfen.“ Wer China dämonisiere, solle „das Maul gestopft bekommen und abziehen“.

Yang war bereits in der Vergangenheit durch strammen Patriotismus aufgefallen. China müsse aufhören, sich als „schwache Nation“ zu sehen, forderte er immer wieder. Dafür brauche das Land nicht nur harte politische, wirtschaftliche und militärische Macht, sondern auch kulturelle Softpower. Pekings Propagandabehörden investieren seit Jahren Milliarden, um Chinas Image in der Welt zu verbessern, etwa durch fremdsprachige Fernsehsender, Publikationen und Veranstaltungsreihen wie das aktuelle chinesische Kulturjahr in Deutschland. Der eloquente Yang galt stets als ein Aushängeschild dieser Strategie.

Doch dass sich internationales Ansehen nicht kaufen lässt und China immer wieder in die Kritik gerät, zuletzt etwa wegen des Umgangs mit dem blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng, scheint Yang zu frustrieren. Mit seiner Hasstirade hat er offenbar ausgesprochen, was im chinesischen Machtapparat viele denken. Im Internet erntete er Beifallsstürme nationalistischer Chinesen. Yangs Arbeitgeber CCTV deckt den Ausbruch seines Moderators und veröffentlichte bisher kein Wort der Kritik oder Entschuldigung. Seine Sendung moderiert Yang weiter wie bisher, zurücknehmen will er nichts. Als ein ausländischer Blogger seine Äußerungen in einem Interneteintrag als „fremdenfeindlich“ bezeichnete, kündigte Yang prompt eine Verleumdungsklage an. „Das ist nichts anderes als üble Nachrede gegenüber einem ernsthaften und gewissenhaften Moderator, der sich seit 13 Jahren um den internationalen Kulturaustausch bemüht“, beschwerte sich Yang. So wird das nichts mit der chinesischen Softpower.

Bernhard Bartsch | 23. Mai 2012 um 05:26 Uhr

 

2 Kommentare

  1. Dennis

    25. Mai 2012 um 13:05

    Der Richtigkeit halber sollte man sagen, das die Klage nicht von einem Blogger kommt, sondern von einem (freien) Journalisten, welcher selbst zwei Mal Gast in Yang Ruis Show war, aber auch schon u.A. bei Global Times geschreiben hat. Es handelt sich also nicht um irgendeinen Blogger.

  2. Ingulf Trollmeyer

    27. Mai 2012 um 05:14

    Yang Rui’s Ausbruch gibt Pekingologen einiges zu knacken. Aber wer jahrelange jeden Tag professionelle CIA-Bullshitter freundlich anlächeln muss, staut zwangsläufig einige Frustrationen auf.