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„Mr. Clean“ springt in den Tod

Korruptionsermittlungen trieben Südkoreas Ex-Präsidenten Roh Moo Hyun zum Selbstmord. Trotzdem erhält er ein staatlich finanziertes Begräbnis.

Er galt als Saubermann und konnte es nicht ertragen, dass sein Image irreparablen Schaden genommen hatte: Südkoreas Ex-Präsident Roh Moo Hyun, der sich seit dem Ende seiner Amtszeit im Februar 2008 in eine Reihe von Korruptionsfällen verstrickt sah, hat sich am frühen Samstagmorgen das Leben genommen. Der 62-Jährige sprang in den Bergen nahe seines Heimatdorfes Bongha von einer Klippe. Gegen den ehemaligen Bürgerrechtler, der mit dem Versprechen angetreten war, die „Präsidentschaft zu säubern“, wurde wegen Bestechung in Millionenhöhe ermittelt. Zwar bestritt Roh die Vorwürfe gegen sich selbst, musste kürzlich aber zugeben, dass seine Frau und eine Nichte Schmiergelder angenommen hatten.

Roh war im Morgengrauen mit einem Bodyguard in die Berge gegangen und dort um sechs Uhr vierzig in die Tiefe gesprungen. Drei Stunden später erlag er in einem Krankenhaus in der südkoreanischen Stadt Busan seinen Kopfverletzungen. In einem Abschiedsbrief, den er auf seinem Computer hinterließ, erklärte er: „Der Schmerz, den ich so vielen Menschen bereitet habe, ist zu groß.“ Die Ermittlungen gegen ihn seien „sehr schmerzhaft“ gewesen und sein weiteres Leben wäre „nur noch eine Bürde für andere Menschen“. Sein Ende bezeichnete Roh als Schicksal: „Sind Leben und Tod nicht Teil der Natur?“

Bei vielen Südkoreanern löste Rohs Tod Bestürzung aus. Allein in Seoul nahmen mehr als zehntausend Menschen an spontanen Gedenkveranstaltungen Teil, berichteten südkoreanische Medien. Die Regierung hat angekündigt, in allen großen Städten Gedenkaltäre aufstellen zu wollen. Am Sonntagnachmittag traf sich das Kabinett zu einer Sondersitzung, um Vorbereitungen für die Beerdigung zu treffen. Am kommenden Freitag soll in einer Sportarena in der Nähe von Rohs Heimatort ein staatlich finanziertes sogenanntes „Volksbegräbnis“ stattfinden. Ein volles Staatsbegräbnis hatte Rohs Familie abgelehnt. Der ehemalige Präsident, der seine Frau Kwon Yang Sook und zwei Kinder hinterlässt, hatte verfügt, dass sein Leichnam eingeäschert und in seinem Heimatdorf in einem Grab mit einem kleinen Gedenkstein beigesetzt werden soll.

Roh war 1946 als Sohn armer Bauern geboren worden. Schon als Schüler organisierte er Demonstrationen gegen die Militärdiktatur. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er in Gelegenheitsjobs und brachte sich nebenbei im Heimstudium Jura bei. 1975 bestand er die Anwaltsprüfung. Seine Karriere als Verteidiger in Menschenrechtsfällen begann 1981, als er eine Gruppe von Studenten vertrat, die wegen des Besitzes von umstürzlerischen Schriften gefoltert worden waren. 1987 wurde er wegen der Unterstützung eines illegalen Streiks selbst für drei Wochen eingesperrt. Ein Jahr später ging Roh in die Politik und machte sich als Kämpfer gegen Korruption und Regionalismus einen Namen. 2003 gewann er mit einem von nationalistischem Populismus geprägten Wahlkampf überraschend die Präsidentschaft. Seine Regierungszeit war geprägt von internen Machtkämpfen und einem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren, die das Land politisch zeitweise lähmten. Außenpolitisch führte Roh die Sonnenscheinpolitik gegenüber Nordkorea fort, ohne jedoch eine echte Annäherung bewirken zu können. Er verließ Seouls „blaues Haus“ mit niedrigen Beliebtheitswerten.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik, zog sich Roh in sein Heimatdorf zurück, blieb jedoch durch eine Reihe von Skandalen in der Öffentlichkeit präsent. Zunächst warfen Ermittler ihm vor, hunderte Festplatten aus dem Präsidentenbüro entwendet zu haben. Nach monatelangen Verhandlungen gab Roh das Material schließlich zurück. Außerdem stand Roh im Zentrum mehrerer Bestechungsskandale. Sein älterer Bruder wurde deswegen vergangene Woche zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Auch mehrere frühere Mitarbeiter und Vertraute gerieten ins Visier der Fahnder. Zuletzt wurde gegen Roh ermittelt, weil er während seiner Amtszeit mehr als sechs Millionen Dollar von einem Schuhunternehmer angenommen zu haben. Ende April wurde er von der Staatsanwaltschaft 13 Stunden lang verhört. Das Justizministerium erklärte, die Ermittlungen würden nach Rohs Freitod nun eingestellt.

Bernhard Bartsch | 24. Mai 2009 um 11:54 Uhr

 

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