Bernhard Bartsch

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Globales Mobbing

China trifft keine Schuld, wenn in Europa die Benzinpreise steigen. Aber für ihr schlechtes Image ist die Volksrepublik trotzdem mitverantwortlich.

Rohstoffe sind die Achillesferse der chinesischen Wirtschaft. Ähnlich wie Deutschland muss auch das dicht besiedelte 1,3-Milliarden-Menschen-Land einen Großteil seiner Ressourcen importieren, darunter Erdöl und Gas, Erze und auch Lebensmittel. Das hat globale Auswirkungen: Dass die Rohstoff-Preise in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen sind – und zum Ende der Krise nun abermals steigen – liegt maßgeblich an dem schnellen.

In der Öffentlichkeit führt diese Entwicklung häufig zu dem Vorwurf, die Chinesen seien Schuld, wenn in Deutschland Benzin teurer wird oder die Heizkosten steigen. Solche Zuspitzungen sind Unsinn – ökonomisch ebenso wie moralisch: Der Markt kennt kein Gewohnheitsrecht, das es den etablierten Industrienationen erlauben würde, ihren Bedarf zu stillen, bevor Schwellenländer wie China zum Zug kommen.

Dennoch ist die Rohstofffrage ein Politikum und in den Augen des Westens eine der wenigen Möglichkeiten, um dem von vielen als Bedrohung wahrgenommenen Wachstum der Volksrepublik Einhalt zu gebieten. Zahlreiche chinesische Versuche, sich in Ölfelder oder Erzvorkommen einzukaufen, scheiterten an politischen Widerständen. Auch bei der Absage des australischen Minenkonzerns Rio Tinto an den chinesischen Konkurrenten Chinalco dürfte Druck aus Canberra eine entscheidende Rolle gespielt haben. In Peking fühlt man sich deshalb gemobbt.

Doch China ist nicht nur Opfer. Das Land bestätigt regelmäßig den Verdacht, dass man vorsichtig sein sollte, bevor man sich auf Geschäfte mit chinesischen Unternehmen einlässt. Das Verfahren gegen die in China verhafteten Rio-Tinto-Mitarbeiter dient da als Beispiel. Selbst wenn sie sich der Industriespionage strafbar gemacht haben sollten – was durchaus möglich ist – müsste es in Chinas Interesse sein, jeglichen Zweifel an einem politischen Racheakt auszuschließen. Dafür bräuchte es eine transparente, juristisch einwandfreie Aufklärung des Falls. Doch diese ist, wie so häufig in der Volksrepublik, nicht in Sicht.

Bernhard Bartsch | 14. August 2009 um 02:36 Uhr

 

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