Bernhard Bartsch

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Mit Hammer und Sichel

Neben Fiat, Magna und Ripplewood zeigt auch der chinesische Autohersteller BAIC Interesse an Opel. Bekannt ist über den Staatsbetrieb nur wenig.

Im Rennen um Opel gibt es einen vierten Wettbewerber: Chinas fünftgrößten Autohersteller Beijing Automotive Industry Holding Corp, kurz BAIC. Bisher ist der Staatsbetrieb in Deutschland vor allem als Partner von Daimler bekanntgeworden. Der Stuttgarter Konzern produziert gemeinsam mit den Chinesen in einem erst vor drei Jahren eröffneten Werk in Peking Fahrzeuge der C- und E-Klasse von Mercedes-Benz. Zudem will Daimler mit der BAIC-Tochter Beiqi Foton Lastwagen in China herstellen. Ein weiterer Partner von BAIC ist unter anderem der koreanische Autokonzern Hyundai.

Wenn die Bundesregierung und die Opel-Belegschaft in den kommenden Tagen versuchen, sich ein Bild von dem potenziellen Käufer zu machen, werden sie es nicht leicht haben: Das Unternehmen verfügt über keine internationale Internetseite. Lediglich eine für Im- und Export zuständige Tochterfirma hat einen englischsprachigen Internetauftritt. Auf der chinesischen Seite präsentiert sich der Konzern unter Hammer-und-Sichel-Symbolen und einem Motto des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao: „Studiert intensiv die Verwirklichung der wissenschaftlichen Entwicklungsstrategie.“ Damit dürften sich selbst SPD-Linke und Opel-Gewerkschafter schwer tun.

Wie über viele chinesische Staatsbetriebe gibt auch BAIC weitaus weniger von sich Preis, als westliche Analysten sich wünschen würden. Da ein seit langem geplanter Börsengang im vergangenen Jahr gestoppt wurde, muss das Unternehmen nicht einmal den Veröffentlichungsanforderungen der chinesischen Aktienmärkte nachkommen. So kann das Unternehmen ganz von der eigenen PR leben. Für das laufende Jahr hat sich BAIC das Ziel gesetzt, 1,05 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen und seinen Umsatz auf 100 Milliarden Yuan (10,5 Milliarden Euro) zu steigern. Ein Zehntel des Zuwachses soll im Rahmen einer staatlich koordinierten Branchenkonsolidierung durch Fusionen mit kleineren chinesischen Herstellern erreicht werden. Bis 2010 wollen die Chinesen einen Pkw unter eigener Marke auf den Markt bringen.

Eine Übernahme von Opel würde zu den chinesischen Bemühungen passen, sich international mit eigenen Fahrzeugen etablieren zu wollen. BAIC ist nicht der erste chinesische Hersteller, der dabei seine Hand nach einem angeschlagenen internationalen Konkurrenten ausstreckt, in der Hoffnung dadurch technologisch einen großen Sprung nach vorn machen zu können. Über das Konzept für Opel ist bisher wenig bekannt – offenbar, weil es wenig zu wissen gibt. Bisher existiert nur eine Interessenbekundung. Für die vier deutschen Standorte soll BAIC eine zweijährige Bestandsgarantie abgegeben haben und in dieser Zeit auch keinen Arbeitsplatzabbau vorsehen.

Bernhard Bartsch | 27. Mai 2009 um 14:46 Uhr

 

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