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Mindestens 74 Tote bei chinesischem Minenunglück

Erste große Grubenkatastrophe des Jahres ereignet sich ausgerechnet im Bergwerk eines Staatsbetriebs. 2008 starben in China über 3200 Menschen unter Tage.

In China sind bei einer Gasexplosion in einer Kohlemine mindestens 74 Menschen umgekommen. 114 Kumpel wurden verletzt, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua, davon sechs schwer. Das Unglück ereignete sich am frühen Sonntagmorgen in dem staatlich betriebenen Tunlan-Bergwerk in der zentralchinesischen Provinz Shanxi. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich 436 Arbeiter in der Grube; 65 wurden am Abend noch vermisst. Brände in den Stollen behinderten die Rettungsarbeiten, berichtete Xinhua. Da das unterirdische Belüftungssystem ausgefallen sein soll, bestehen nur geringe Überlebenschancen.

Die Katastrophe ist Chinas erster großer Minenunfall des Jahres. Grubenunglücke gelten seit langem als Symbol für die häufig miserablen chinesischen Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards. 2008 starben nach offiziellen Angaben über 3200 Kumpel unter Tag. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Obwohl vergangenes Jahr über tausend gefährliche Minen geschlossen wurden, geht die Regierung davon aus, dass 80 Prozent der insgesamt 16.000 Gruben illegal betrieben werden – Korruption macht’s möglich.

Doch nicht nur in den schwarzen Minen riskieren die Kumpel ihr Leben. Das jüngste Unglück ereignete sich in einem der 28 Bergwerke des börsennotierten Staatsbetriebs Shanxi Kokskohle, der jährlich über fünf Millionen Tonnen Kohle fördert. Laut Xinhua hat es in der Tunlan-Grube in den vergangenen zehn Jahren keinen größeren Unfall gegeben. Die Arbeiter hätten zweimal jährlich an einem Sicherheitstraining teilgenommen. Was genau die Explosion am Sonntag ausgelöst hat, ist bisher unbekannt.

Anders als bei früheren Unglücken berichtete die Staatspresse prompt über die Katastrophe. Dies ist Teil von Pekings neuer Nachrichtenstrategie, wonach bei Katastrophen oder sozialen Unruhen die offiziellen Medien den Meldungen in Internetforen zuvorkommen sollen. So hat der Propagandaapparat die Möglichkeit, die Berichterstattung zu steuern. Medienwirksam inszeniert wurde am Sonntag auch das Eintreffen von Shanxis Provinz-Parteichef Zhang Baoshun an der Unglücksstelle, wo er persönlich die Leitung der Rettungsaktion übernahm. Seit dem verheerenden Erdbeben in Südwestchina im vergangenen Frühjahr, als Premier Wen Jiabao vor ort den Katastropheneinsatz überwachte, werden Unglückskommandos regelmäßig zur Chefsache gemacht. Die Partei versucht damit Volksnähe zu beweisen.

Bernhard Bartsch | 23. Februar 2009 um 01:21 Uhr

 

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