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Mehr Motorlärm!

In Japan müssen Hybridfahrzeuge vielleicht bald künstlich Krach erzeugen – den Blinden zuliebe.

Es sieht aus wie ein Auto, es fährt wie ein Auto, aber es klingt nicht so. Was das ist? Ein Hybridfahrzeug. Wenn die klimafreundlichen Pkw mit dem Doppelantrieb in den Elektromodus schalten, bewegen sie sich fast so leise wie ein Fahrrad. Doch weniger Lärm ist nicht unbedingt besser, warnen japanische Verbraucherschützer: Weil sich Hybrids bei Unfällen eben doch wie Autos und nicht wie Fahrräder verhalten, sollten sie auch an Autogeräuschen zu erkennen sein, finden sie und haben ihre Regierung aufgefordert, die stillen Flitzer per Gesetz zum Klingen zu bringen.

„Autobenutzer und sehbehinderte Menschen haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass sie Hybridfahrzeuge für gefährlich halten“, erklärte ein Sprecher des japanischen Transportministeriums am vergangenen Freitag. „Blinde Menschen sind beim Laufen auf Geräusche angewiesen, aber Hybridwagen haben bei langsamem Tempo kein Motorengeräusch.“ Gerade im Stadtverkehr fahren sie meist mit Elektroantrieb und schalten den klassischen Verbrennungsmotor mit dem vertrauten Brummen erst bei höherem Tempo oder starker Beschleunigung zu.

Tokio nimmt die Sorgen ernst. Das Ministerium setzte eine 13-köpfige Expertengruppe ein, die „über die Einführung einer Geräuschfunktion berate“, so der Sprecher. Mit was für Lauten die Autos künftig durch die Stadt rollen sollen, sei bisher allerdings ebenso offen wie die Frage, ob es überhaupt zu einer Lärmpflicht kommt. „Wir müssen auch an die Anwohner von Straßen denken, für die Hybridwagen den Geräuschpegel deutlich verringern“, gab das Ministerium zu bedenken. Ein Bericht, auf deren Grundlage das Geräuschgesetz formuliert werden könnte, soll bis Ende des Jahres vorliegen.

Toyota, der bisher erfolgreichste Hersteller von Hybridfahrzeugen, erklärte, bisher keine Pläne für ein Klangmodul zu haben. „Aber wenn das ein gesellschaftliches Sorgenthema wird, müssen wir uns damit natürlich beschäftigen“, hieß es in einer Stellungnahme. Der weltgrößte Autobauer, der 1997 den ersten Hybrid auf den Markt brachte, hat erst Ende Mai eine neue Version seines Prius eingeführt, für den bereits 200.000 Bestellungen vorliegen und der in Japan inzwischen das meistverkaufte Auto der Saison ist. Auch die Konkurrenten wie Honda und neuerdings Daimler haben Modelle mit Kombinationsantrieb im Angebot, mit denen sich der Treibstoffverbrauch deutlich verringern lässt.

Bernhard Bartsch | 06. Juli 2009 um 09:37 Uhr

 

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