Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Makelloser Triumphzug

Chinas Staatspresse feiert Hu Jintaos USA-Besuch – und beginnt die Arbeit am Nachruhm des Parteichefs.

Wenn Chinas Politiker auf Reisen gehen, müssen sie sich um das Medienecho in ihrer Heimat nicht sorgen. Mit der verordneten Euphorie feiert die Staatspresse die USA-Reise ihres Präsidenten Hu Jintao als makellosen Triumphzug. Hu habe eine „neue politische Zivilisation geschaffen“, attestiert ihm die Zeitung „Global Times“. „Der Besuch von Präsident Hu Jintao verdient den Applaus der Welt“, kommentiert das für seine nationalistischen Töne bekannte Blatt. „Er hat einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden geleistet.“ Die Nachrichtenagentur „Xinhua“ verbreitete die Kunde von einer „historischen Meisterleistung in chinesisch-amerikanischer Diplomatie“. Die englischsprachige „China Daily“, die in erster Linie der chinesischen Selbstdarstellung im Ausland dient, lobte die „pragmatische Kooperation“ beider Seiten und urteilte, der Besuch habe „ein solides Fundament für eine bilaterale Partnerschaft im kommenden Jahrzehnt“ gelegt.

Um in China grösstmögliche Aufmerksamkeit für die Visite zu bekommen, hatte Chinas Propagandabehörde in den vergangenen Tagen den Druck wichtiger Parteiblätter wie der „Volkszeitung“ oder der „Zeitung der Volksbefreiungsarmee“ um bis zu acht Stunden verschoben, um dichter am Geschehen im dreizehn Zeitzonen entfernten Washington zu sein. Zu den am häufigsten gedruckten Bildern gehörten Fotos von Hu beim Abnehmen der Ehrengarde, bei seiner Rede vor dem Weissen Haus und im Oval Office. Auch das opulente Staatsbankett fand grosse Aufmerksamkeit, inklusive der Beobachtung, Michelle Obama habe ein „chinarotes“ Abendkleid getragen.

Kernstück der Berichterstattung war allerdings die gemeinsame Erklärung der beiden Präsidenten. Anders als westliche Regierungen messen Chinas Aussenpolitiker derartigen Kommuniqués grosse Bedeutung bei. Das in voller Länge abgedruckte Positionspapier schreibt gewissermassen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Beziehungen fest. „Die USA betonen dass sie ein starkes, wohlhabendes und erfolgreiches China, das eine grössere Rolle in der Welt spielt, begrüssen“, ist darin zu lesen. „Jedes Land und sein Volk haben das Recht, ihren eigenen Weg zu wählen, und die Entwicklungsmodelle sollten gegenseitig respektiert werden.“ Nach Auffassung der „Global Times“ habe die Erklärung „alle Ängste vertrieben, dass zwischen China und den USA ein neuer Kalter Krieg ausbrechen könnte“. Die Agentur ist überzeugt, dass nun „die ganze Welt auf den nächsten Handschlag zwischen China und den USA wartet“.

Bezeichnend ist auch, was in China nicht berichtet wurde. Auf Hus Eingeständnis, dass „in China in Sachen Menschenrechte noch viel getan werden muss“, gingen chinesische Medien ebenso wenig ein wie auf die Proteste, die den Besuch begleiteten. Nichts sollte den schönen Schein trüben. Denn für Chinas Medien beginnt mit der Reise gewissermassen die Arbeit am Nachruhm des 68-jährigen Staats- und Parteichefs. Allgemein wird erwartet, dass er seine Ämter in den kommenden zwei Jahren an Vize-Präsident Xi Jinping übergeben wird. Der pompöse Empfang war deshalb wohl, zumindest formal. der letzte Höhepunkt seines aussenpolitischen Wirkens.

Bernhard Bartsch | 21. Januar 2011 um 08:07 Uhr

 

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