RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Lebt Kim?

Nordkorea plant angeblich eine wichtige Bekanntmachung und schürt damit Spekulationen über das Ende des Diktators.

Die Spekulationen über den Gesundheitszustand von Nordkoreas Diktator Kim Jong Il erhalten neue Nahrung. Zwei japanischen Medienberichten zufolge plant Pjöngjang für den heutigen Montag eine „wichtige Ankündigung“. Dabei könnte es sich um die Bekanntmachung von Kims Tod, seiner Regierungsunfähigkeit oder eines Putsches handeln, mutmaßen Nordkorea-Experten.

Der 66-Jährige war im August aus der Öffentlichkeit verschwunden, angeblich wegen eines Schlaganfalls, wie Südkoreas Geheimdienst erfahren haben will. Anfang Oktober hatte Pjöngjangs Staatspresse zwar wieder Fotos des „Geliebten Führers“ verbreitet, die ihn in scheinbar bester Gesundheit zeigen. Wegen der sommerlichen Vegetation im Hintergrund hatten Experten von der Seoul National University allerdings ausgeschlossen, dass die Aufnahmen in den vergangenen Wochen gemacht worden sein könnten.

Das Rätselraten über die angebliche Mitteilung war von der japanischen Zeitung Yomiuri ausgelöst worden, derzufolge Pjöngjang seine Diplomaten im Ausland angewiesen haben soll, sich für Montag auf „wichtige Ankündigungen“ vorzubereiten. Kurz darauf verbreitete die Zeitung Sankei eine ähnliche Meldung, die sich auf Japans Verteidigungsministerium berief und die Information enthielt, Ausländern sei ab Montag die Einreise nach Nordkorea verboten. Experten halten es aber für möglich, dass es sich bei den Berichten um Zeitungsenten handelt. „Berichte über die Geheimnisse der nordkoreanischen Machtelite erweisen sich in neun von zehn Fällen als falsch“, sagt Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul. „Wenn aber doch einmal echte Informationen an die Außenwelt dringen, haben japanische Medien die Geschichte allerdings meist zuerst.“

Auch die Regierung in Seoul maß den Meldungen zunächst keine große Bedeutung zu. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap habe es in den vergangenen Wochen keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen gegeben, wie es bei einer grundlegenden Umwälzung in der Führung des militärisch regierten Landes zu erwarten wäre. Sei dennoch eine Ankündigung geplant, dürfe die sich eher auf das Verhältnis zu Südkorea beziehen, spekulierten Medien in Seoul. Nordkorea hatte der konservativen Regierung des Nachbarlandes in den vergangenen Tagen wiederholt eine „feindselige Politik“ vorgeworfen.

Sollte Pjöngjang allerdings zu Kriegsrhetorik greifen und mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen, könnte das Regime einen kürzlich errungenen politischen Sieg aufs Spiel setzen: Vor einer Woche hatte die US-Regierung das Land von seiner Liste der Terror unterstützenden Staaten gestrichen. Im Gegenzug hatte Pjöngjang neuen Inspektionen seiner Nuklearanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zugestimm

Bernhard Bartsch | 20. Oktober 2008 um 04:30 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.