RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Kims Hunger nach Diplomatie

Südkorea will wieder mit dem Norden verhandeln, doch die Annäherung ist umstritten.

Süd- und Nordkorea nähern sich an – oder demonstrieren zumindest ihren guten Willen, nach einem Jahr auf Eskalationskurs wieder zur Diplomatie zurückzukehren. Am 8. Februar sollen sich Armeevertreter im Waffenstillstandsdorf Panmunjom treffen. Auch andere Kontakte würden auf Arbeitsebene wieder aufgenommen, sagte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak. Sollte der Norden eine positive Einstellung an den Tag legen, seien auch neue Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Abrüstung und sogar ein innerkoreanisches Gipfeltreffen möglich.
Doch ob Verhandlungen mit Pjöngjang der richtige Weg sind, ist in Seoul umstritten. Führende Medien werfen dem Präsidenten vor, inkonsequent zu sein und sich den Forderungen aus Washington und Peking gebeugt zu haben. „Es ist wichtig, dass die Regierung von Lee Myung Bak gegenüber Nordkorea, dem letzten stalinistischen Land der Welt, eine stringente Politik beibehält“, schreibt die Korea Times. „Leider hat die Regierung diese Stringenz in der letzten Zeit vermissen lassen und läuft deshalb Gefahr, Pjöngjang die falschen Signale zu senden.“

Kritisiert wird vor allem die Aufgabe von Seouls Forderung, dass diplomatischen Schritten zunächst eine Entschuldigung des Nordens für die Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan vorausgehen müsse. Beidem Untergang im vergangenen März, an dem nach Erkenntnissen einer internationalen Untersuchung ein nordkoreanischer Torpedo schuld war, starben 46 südkoreanische Matrosen. Nordkorea bestreitet den Beschuss der Cheonan und scheint es geschafft zu haben, Seoul von seiner Vorbedingung abzubringen.
„Wir müssen uns fragen, ob es für den Süden unter diesen Bedingungen möglich ist, die Gespräche wieder aufzunehmen“, gibt die Korea Times zu bedenken. „Es ist nicht akzeptabel, dass die Regierung Lee ihre Vorbedingungen aufgibt, ohne dies dem Volk zu erklären.“ Lees Regierung dürfe Kim Jong Il nicht in die Hände spielen.

Die Zeitung Korea Herald verweist auf Nordkoreas Lebensmittelknappheit als wichtiges Motiv für Pjöngjangs Gesprächsbereitschaft. „Man braucht kein Genie zu sein, um darauf zu kommen, dass wachsende Lebensmittelsorgen der Hauptgrund, wenn nicht der einzige Grund der nordkoreanischen Offensive für einen Dialog mit Südkorea ist“, schreibt das Blatt. Hilfslieferungen müssten jedoch an konkrete Zugeständnisse in der Frage der nuklearen Abrüstung gekoppelt sein.

Die Tageszeitung Joongang wirft Lee vor, die Öffentlichkeit grundsätzlich über seine Entscheidungen im Dunklen zu lassen und sich kritischen Fragen zuverweigern. „Nach nationalen Sicherheitskrisen wie der Versenkung des Kriegsschiffs Cheonan oder der Bombardierung der Insel Yongbyon, hat der Präsident nur vorbereitete Erklärungen verlesen, statt echte Fragen zu beantworten“, schreibt das Blatt.
So heftig in Südkorea über die Gespräche gestritten wird, so einfach ist die nordkoreanische Position. „Koreaner aller Lebensbereiche im Norden, im Süden und im Ausland sollten sich mit Nachdruck für den heiligen Kampf um Frieden, Wiedervereinigung und Wohlstand engagieren“, heißt es in der Regierungszeitung Rodong Sinmun. „Dialog und Verhandlungen sind die einzige Möglichkeit, um Krieg und Konfrontationen zu vermeiden.“

Bernhard Bartsch | 02. Februar 2011 um 13:29 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.