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Kim will wieder Bomben bauen

Nordkorea will sein Nuklearprogramm reaktivieren und nie wieder über dessen Einstellung verhandeln.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il lässt den Streit über sein Atomwaffenprogramm weiter eskalieren. Einen Tag nach der Verurteilung von Pjöngjangs jüngstem Raketentest durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) kündigte das erzkommunistische Land am Dienstag die Wiederaufnahme seiner Nuklearforschung an – und drohte damit, künftig nicht mehr über dessen Einstellung verhandeln zu wollen.

„Wir werden nie wieder an diesen Gesprächen teilnehmen“, erklärte das Außenministerium mit Blick auf die Pekinger Sechs-Parteien-Runde, in der Nordkorea 2007 mit China, den USA, Russland, Südkorea und Japan den Stopp seines Atomwaffenprogramms ausgehandelt hatte – im Gegenzug zu umfangreichen Hilfslieferungen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen sei der Verhandlungsmechanismus „nicht länger nötig“, hieß es in einer von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Meldung.

Pjöngjang erklärte außerdem die Zusammenarbeit mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA für beendet und forderte alle IAEA- Inspekteure zur Ausreise auf. Nordkorea droht damit seine atomare Abschreckung auszubauen.

Der 2008 stillgelegte und teilweise zerstörte Versuchsreaktor Yongbyon, der kernwaffentaugliches Plutonium herstellen könnte, solle reaktiviert werden, um Nordkoreas Abschreckungspotenzial auszubauen. Experten gehen davon aus, dass der Wiederaufbau gut ein Jahr dauern würde.

Pjöngjang hatte am 5. April eine Langstreckenrakete gestartet, die nach Einschätzung westlicher Experten eine Reichweite von mehr als 5000 Kilometern haben könnte. Damit würden Nordkoreas Atomsprengköpfe nicht nur für die verfeindeten Nachbarländer Südkorea und Japan, sondern auch für die USA zur Bedrohung.

Der UN-Sicherheitsrat hatte den Test am Montag einstimmig verurteilt, die Wiederaufnahme der Verhandlungen gefordert und mit Sanktionen gedroht. Eine UN-Resolution aus dem Jahr 2006, mit der die Staatengemeinschaft auf Nordkoreas ersten Atombombentest reagiert hatte, verbietet dem Land alle Versuche mit Nuklearwaffen und ballistischen Raketen. Eine von westlichen Ländern und Japan geforderte neue Resolution scheiterte aber nach langem diplomatischem Tauziehen am Widerstand Chinas und Russlands.

Vorerst kann der Sicherheitsrat dem Wiederholungstäter deshalb nur damit drohen, einen 2006 beschlossenen Ausschuss einzuberufen, der mögliche Zwangsmaßnahmen konkretisieren soll. Kim hatte schon vor dem Raketenstart angekündigt, die Sechsergespräche im Fall einer Verurteilung platzen zu lassen. Er behauptet, bei dem Test handele es sich um einen „friedlichen Satellitenstart“. Westliche Raumfahrtexperten glauben jedoch nicht, dass Nordkorea einen Satelliten ins All gebracht hat.

Chinas Regierung, die international als eine Art Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes auftritt, versuchte am Dienstag, eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wir hoffen, dass alle Seiten die großen Zusammenhänge im Auge behalten, sich ruhig und zurückhaltend verhalten und die Fortschritte der Sechs-Parteien-Gespräche schützen“, erklärte Außenministeriumssprecherin Jiang Yu und unterstrich damit Pekings Hoffnung, Nordkorea könne auch diesmal wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Erschienen in: Frankfurter Rundschau: 15. April 2009

Bernhard Bartsch | 15. April 2009 um 01:05 Uhr

 

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