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Kim keilt nach

Die Welt tobt und Nordkoreas Diktator hört Schlager. Die Rückkehr an den Verhandlungstisch will er sich teuer bezahlen lassen.

Kim Jong Il spielt den Unverwundbaren. Mitten in die weltweite Empörung über seinen zweiten Atombombentest hat Nordkoreas Diktator am Dienstag erneut zwei Kurzstreckenraketen abgeschossen und die internationale Gemeinschaft per Pressemeldung wissen lassen, dass ihn ihre Drohungen nicht beeindrucken.

Während am Montagabend rund um den Globus Politiker und Sicherheitsstäbe über Pjöngjangs nukleare Provokation berieten, soll sich der „Geliebte Führer“ in aller Seelenruhe bei einer Schlagergala vergnügt haben. Die offizielle Nachrichtenagentur KCNA berichtete, die Frauenmusiktruppe „Persimonenbaum“ habe Kim und seine Entourage mit Revolutionshits wie „Unser General ist der beste“ und „Lasst die Glücksgesänge der Soldaten weit und breit ertönen“ unterhalten.

Bei den beiden Raketen handelte es sich nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap um ein Boden-Luft- und ein Boden-Schiffs-Geschoss. Sie wurden von der Ostküste aus ins Meer geschickt. Am Montag hatte das Land wenige Stunden nach seinem unterirdischen Atomtest schon einmal drei Raketen von seiner Westküste aus gestartet und das Gebiet zur Sperrzone für Schiffe erklärt. Südkoreanische Militärexperten spekulierten, der Norden wolle so ausländische Spionageflugzeuge und -schiffe abschrecken. Westliche Aufklärungsdienste bemühen sich derzeit darum, dem nordkoreanischen Territorium möglichst nahe zu kommen, um Luftproben zu sammeln, die Rückschlüsse auf die Atomtests zulassen.

Unklar ist nach wie vor, mit welchen Ergebnissen der Test verlaufen ist. Bei Nordkoreas erstem Versuch im Oktober 2006 hatte es nach Ansicht von Experten Probleme bei der Zündung gegeben, so dass nicht die gesamte Sprengkraft freigesetzt wurde. Nach Angaben der Organisation des Vertrags über ein umfassendes Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) waren die Erschütterungen diesmal nur „geringfügig stärker“ und erreichten einen Wert von 4,5 auf der Richterskala. 2006 waren es 4,1.

Der UN-Sicherheitsrat hatte den Nukleartest noch am Montag scharf verurteilt und angekündigt, eine neue Resolution auf den Weg zu bringen. 2006 hatte ein Beschluss des Gremiums Nordkorea alle Atomwaffen- oder Raketentests verboten. Die in Tokio erscheinende Zeitung Choson Sinbo, die Teil der nordkoreanischen Auslandspropaganda ist, warnte die Weltgemeinschaft am Dienstag jedoch vor Zwangsmaßnahmen. Da UN-Resolutionen auf das Regime in Pjöngjang in der Vergangenheit wenig Eindruck gemacht haben, richtet sich die Aufmerksamkeit derzeit vor allem darauf, ob Nordkorea sich zu neuen Gesprächen im Rahmen der Pekinger Sechs-Parteien-Gespräche bewegen lässt. An der Runde nahmen in der Vergangenheit neben den beiden Koreas auch China, die USA, Japan und Russland teil.

Chinas Außenministerium hatte sich am Montag bereits „energisch gegen den Nukleartest der Demokratischen Volksrepublik Korea “ ausgesprochen und sein Nachbarland aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Volksrepublik gilt als Nordkoreas engster Verbündeter, hat allerdings nur begrenzten Einfluss, insbesondere in der Atomwaffenfrage. Zwar hat China bisher zusammen mit Russland scharfe UN-Sanktionen verhindert, doch da eine Veränderung des Kräfteverhältnisses auf der koreanischen Halbinsel oder gar ein Zusammenbruch des Regimes nicht den Interessen entspricht, dürfte Peking erneut einen Burgfrieden auszuhandeln versuchen. Experten und Diplomaten gehen davon aus, dass Nordkorea sich gegen Hilfslieferungen und Bargeldzahlungen erneut einen Stopp seiner Aufrüstungsbemühungen abkaufen lassen wird.

Bernhard Bartsch | 27. Mai 2009 um 05:25 Uhr

 

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