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Kim Jong-il hat wieder Gäste

Nordkoreas Diktator empfängt chinesischen Beamten und zeigt sich in alter Unberechenbarkeit: Nach tagelangen Kriegsdrohungen spricht er nun wieder von Frieden.

Fünf Monate nach seinem angeblichen Schlaganfall hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-il erstmals wieder einen ausländischen Gast getroffen. Am Freitag empfing er in Pjöngjang Wang Jiarui, Leiter der Auslandsabteilung der Kommunistischen Partei Chinas. Pekings amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, Wang habe Kim eine Neujahrsbotschaft von Präsident Hu Jintao überbracht.

Xinhua und das nordkoreanische Fernsehen veröffentlichten Fotos von der Begegnung. Kim, der sowohl stehend als auch sitzend zu sehen war, wirkte deutlich schlanker aussah als noch vor einem Jahr; seine linke Hand erschien deutlich geschwollen. Weitere Details über die Zusammenkunft wurden jedoch nicht bekannt. Dennoch kann sie als das bisher überzeugendste Anzeichen dafür gelten, dass der 66-Jährige weiterhin handlungsfähig ist und die Geschicke Nordkoreas in der Hand hält. Die Botschaft, die er Wang mit auf den Weg gab, passte denn auch zu der Unberechenbarkeit, die Kim zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Nachdem Pjöngjang in den vergangenen Tagen noch Kriegsdrohungen nach Südkorea geschickt hatte, signalisierte Kim nun seine Bereitschaft, den Abbau seines Atomprogramms voranzutreiben. „Die nordkoreanische Seite wird sich für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel engagieren und hofft, friedlich mit allen anderen Parteien zusammenleben zu können“, hieß es in der Xinhua-Meldung. „Nordkorea möchte keine Spannungen auf der Halbinsel und ist bereit, die Beratung und Zusammenarbeit mit China auszubauen und die Sechs-Parteien-Gespräche voranzutreiben.“ Die beiden sozialistischen Bruderländer haben 2009 zum chinesisch-nordkoreanischen Freundschaftsjahr erklärt.

Nachdem Kim im August wochenlang aus der Öffentlichkeit verschwunden war, hatten Geheimdienste bereits über seinen Tod spekuliert. In den vergangenen Monaten hatte Pjöngjangs Staatspropaganda wiederholt Fotos des Geliebten Führers veröffentlicht, die von westlichen Experten jedoch teilweise als gefälscht oder veraltet einstuften. Trotz seiner vermeintlichen Rückkehr zum politischen Tagesgeschäft scheint Kim jedoch inzwischen die Weichen für seine Nachfolge gestellt zu haben. Vergangene Woche berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, der Diktator habe seinen Sohn Kim Jong-un, 25, zu seinem zukünftigen Nachfolger auserkoren.

Bernhard Bartsch | 23. Januar 2009 um 14:48 Uhr

 

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