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Kim droht mit neuem Koreakrieg

Nordkorea kündigt den Waffenstillstand aus dem Jahr 1953 mit Südkorea auf und droht mit „unvorstellbar gnadenloser Bestrafung“ jedes „feindlichen Akts“.

Pjöngjang/Seoul. – Nordkoreas Diktator Kim Jong Il scheint genau zu verfolgen, wie die Weltpresse über ihn berichtet. Nachdem die Reaktionen auf seinen zweiten Atomwaffentest vom Montag weitgehend darin übereinstimmten, dass Kims Bombe zwar eine enorme Provokation, aber keine unmittelbare Gefahr darstelle, zeigte sich Pjöngjang gestern bemüht, doch als echte Bedrohung wahrgenommen zu werden: Das Waffenstillstandsabkommen von 1953, das seinerzeit die Kampfhandlungen des Koreakriegs beendete, wurde aufgekündigt. Ausserdem hat das ostasiatische Land mit der Wiederinbetriebnahme der vor einem Jahr weitgehend zerstörten Atomanlage Yongbyon begonnen, in der nuklearwaffenfähiges Plutonium hergestellt werden könnte.

Eine Meldung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete die formelle Rückkehr zum Kriegszustand als Reaktion auf Südkoreas Absicht, einer US-Initiative zum Schutz vor der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen beizutreten. Das nach den Terroranschlägen vom 11. September gegründete Bündnis erlaubt unter anderem die Durchsuchung von verdächtigen Schiffen. «Diejenigen, die uns provozieren, müssen mit einer unvorstellbar gnadenlosen Bestrafung rechnen», drohte die KCNA-Mitteilung. Jeder «noch so kleine feindliche Akt gegen unsere Republik, etwa das Aufhalten und Durchsuchen unserer friedlichen Schiffe», werde einen «starken Militärschlag» nach sich ziehen, hiess es. Überdies könne die sichere Fahrt von Schiffen aus Südkorea und den USA an der umstrittenen Grenze im Gelben Meer nicht länger garantiert werden, hiess es.

Südkorea hatte am Dienstag betont, an der seit langem geplanten Vollmitgliedschaft in dem so genannten PSI-Bündnis festhalten zu wollen. Praktisch gesehen ist der Beitritt eine Formalität, da Seoul und Washington in allen Sicherheitsfragen bereits engstens kooperieren. Pjöngjang hatte sich jedoch stets auf den Standpunkt gestellt, es würde eine volle PSI-Mitgliedschaft des Südens als Kriegserklärung auffassen.

Südkoreas Staatspräsident Lee Myung Bak rief seine Landsleute gestern zu «gelassenen Reaktionen» auf und verzichtete zunächst auf eine Erhöhung der Truppenstärke an der Grenze. Zusammen mit anderen Staaten in der Region – insbesondere Nordkoreas engstem Verbündeten China – wiederholte Seoul seine Forderung, Pjöngjang solle den Weg zurück an den Verhandlungstisch finden, an dem seit Jahren versucht wird, Nordkorea den Ausstieg aus seinem Atomwaffenprogramm schmackhaft zu machen.

Bernhard Bartsch | 27. Mai 2009 um 16:34 Uhr

 

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