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Kim der Zahme

Nordkoreas Diktator signalisiert dem ehemaligen US-Präsidenten Carter Gesprächsbereitschaft.

Im Streit um Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm hat Pjöngjang die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert – ohne damit jedoch auch den Willen zu politischen Zugeständnissen zu verbinden. Wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter nach einer Reise in das isolierte Land erklärte, habe Diktator Kim Jong Il ihm eine Botschaft an die Regierung Südkoreas mitgeben lassen. Demnach sei er zu einem innerkoreanischen Gipfeltreffen und zu bedingungslosen Gesprächen mit den Staaten der Sechs-Parteien-Runde bereit.

Asien-Experten halten eine baldige Rückkehr an den Verhandlungstisch allerdings für unwahrscheinlich, da Südkorea und die USA zunächst deutliche Schritte in Richtung nuklearer Abrüstung von Nordkorea verlangen, bevor sie die Sechserverhandlungen wieder aufnehmen wollen. An denen nehmen auch China, Russland und Japan teil.

„Der Streitpunkt, und das ist ein großer, ist, dass sie ihr Atomprogramm ohne eine Form von Sicherheitsgarantie der USA nicht aufgeben werden“, erklärte Carter auf seiner Internetseite. Der Friedensnobelpreisträger hatte auf ein persönliches Treffen mit Kim gehofft. Doch wie schon bei einem Besuch im letzten Sommer wurde Carter versetzt. Stattdessen ließ der „Geliebte Führer“ seinen Gast auf dem Weg zum Flughafen noch einmal umkehren und ins staatliche Gästehaus zurückkehren, wo Carter eine schriftliche Botschaft in Empfang nehmen durfte. Die Gruppe um Carter reiste dann nach Seoul weiter.

Das verarmte Nordkorea scheint angesichts akuter Knappheit an Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Grundgütern Möglichkeiten zu suchen, wieder Zugang zu ausländischen Hilfslieferungen zu bekommen. Sie waren aufgrund des Konfrontationskurses in den vergangenen zwei Jahren gestoppt worden. Während Südkorea, die USA und Japan verhindern wollen, dass Kim die Verhandlungen instrumentalisiert, um an die für das Überleben seines maroden Regimes notwendigen Güter zu gelangen, hofft China auf eine baldige Fortsetzung der Sechsergespräche.

Experten stehen der Sechser-Runde allerdings skeptisch gegenüber. „Die Sechs-Parteien-Gespräche haben sich als nutzlos erwiesen“, sagt Zheng Yongnian, Direktor des Ostasien-Instituts an der Nationaluniversität in Singapur. „Sie haben Nordkorea die Möglichkeit gegeben, die Verhandlungen immer weiter hinauszuzögern.“ Gleichzeitig habe das von China initiierte Forum Peking Gelegenheit geboten, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Deshalb müsse das Ausland neuen Druck aufbauen, meint Zheng.

Bernhard Bartsch | 28. April 2011 um 08:02 Uhr

 

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