Bernhard Bartsch

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Keine Götter neben Kim

Kein Land verfolgt Christen schärfer als Nordkorea. Wer nicht an das Regime glaubt, riskiert sein Leben.

Anfang des 20. Jahrhunderts galt Pjöngjang wegen seiner großen christlichen Gemeinde als „Jerusalem des Ostens“, doch heute leben Christen nirgendwo gefährlicher als in der nordkoreanischen Hauptstadt. Auf dem Weltverfolgungsindex der christlichen Organisation Open Doors steht das Land seit sechs Jahren an erster Stelle. Wer sich offen zu seinem Glauben bekennt, riskiert lebenslange Haft oder sogar den Tod. Häufig wird die ganze Familie mitbestraft. „Schon der Besitz einer Bibel kann tödlich sein“, sagt Tim Peters, ein in Seoul lebender amerikanischer Missionar, der sich für nordkoreanische Flüchtlinge engagiert. „Trotzdem gibt es noch immer eine kleine Untergrundkirche.“ Ihre Anhängerschaft wird auf rund 200.000 geschätzt.

Nordkoreas Regierung gibt die Zahl der Christen mit 10.000 an und verweist auf Artikel 68 der Verfassung, der freie Religionsausübung verspricht, solange diese nicht „zur Infiltration durch äußere Kräfte oder zur Verletzung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung“ missbraucht werde. Besucher bekommen oft Pjöngjangs vier Gotteshäuser gezeigt, bei denen es sich laut Human Rights Watch allerdings um reine „Propagandakirchen“ handelt. Seit den Fünfzigern wurden in Nordkorea über 1500 Kirchen zerstört.

Allerdings hat sich das Regime bei den Christen einiges abgeschaut: Staatsgründer Kim Il-Sung und sein heute regierender Sohn Kim Jong-il werden beide wie Götter verehrt, wobei die Ikonografie durchaus weihnachtlich ist: Wie Jesus Christus sollen auch die Kims in einfachen Ställen zur Welt gekommen sein, begleitet von Naturwundern.

Bernhard Bartsch | 24. Dezember 2008 um 07:01 Uhr

 

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