Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Kein Raum für Missverständnisse

Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China weitet sich von Wirtschaft und Politik nun auch aufs Militär aus. Abrüstungsversuche gibt es nur verbal.

Wenn doch alles nur ein Missverständnis wäre! US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte es so erscheinen lassen. „Wir sind uns sehr einig, dass sich die Gefahr von Misskommunikation, Missverständnissen und Misskalkulationen nur reduzieren lässt, wenn unsere zwischenmilitärischen Beziehungen solide und verlässlich sind und sich nicht mit dem politischen Wind ändern“, sagte er nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie in Peking.

Doch die Nachrichten der vergangenen Wochen scheinen wenig Spielraum für Interpretationen zu lassen: Chinas militärische Ambitionen entwickeln sich zum nächsten großen Konfliktpunkt zwischen Peking und Washington. Vor einigen Wochen präsentierte Chinas Marine eine bald einsatzfähige Antischiffsrakete, die stark genug sein soll, US-Flugzeugträger zu versenken. Letzte Woche erschienen im Internet Bilder vom Prototypen eines chinesischen Tarnkappenbombers. Und noch in diesem Jahr könnte der erste chinesische Flugzeugträger in See stechen.

Peking scheint fest entschlossen, die amerikanische Dominanz in Asien herausfordern zu wollen. „Die Entwicklung von Chinas militärischer Schlagkraft entwickelt sich in großen Sprüngen und ist dem ursprünglichen Zeitplan weit voraus“, sagt der Shanghaier Militärexperte Ni Lexiong. „Die Richtung ist klar: Früher oder später wird China die USA militärisch überholen.“

Es dürfte kein Zufall sein, dass China die Welt ausgerechnet jetzt in ihr Waffenarsenal schauen lässt. Kommende Woche reist Chinas Präsident Hu Jintao nach Washington, ein schwieriger Besuch, der das angeschlagene chinesisch-amerikanische Verhältnis reparieren soll, das 2010 unter anderem durch Währungs- und Handelsstreitigkeiten sowie den Nordkorea-Konflikt schwer beschädigt wurde. Als Reaktion auf amerikanische Waffenverkäufe an Taiwan, das in Peking als abtrünnige Provinz gesehen wird, hatte die Volksrepublik vor einem Jahr die militärischen Kontakte weitgehend abgebrochen. „Die diplomatischen Probleme zwischen unseren beiden Ländern führen dazu, dass wir uns in einer Phase der Muskelspiele befinden“, sagt Ni. Die Drohungen seien ein „Signal, dass China seine Position stärken will, besonders vor Hus Besuch in Washington.“

Keine Waffe signalisiert dies deutlicher als die neue Antischiffsrakete „Dongfeng 21-D“, die den Spitznamen „Flugzeugträgerkiller“ trägt. Entwickelt wurde sie mit einem Ziel: den schwimmenden Kriegsflughäfen der USA, die Washington immer wieder einsetzt, um seine Vorherrschaft in Asienpazifik zu demonstrieren, einer Region, die China als seinen Vorgarten betrachtet. Zuletzt nahm die „George Washington“ Ende vergangenen Jahres zusammen mit Südkoreanischen Kriegsschiffen an einer Übungen im Gelben Meer teil. Auch vor der Insel Taiwan, die Peking als abtrünnige Provinz betrachtet, ließ das Pentagon schon seine Superkähne kreuzen. Die „Dongfang 21-D“, die eine Reichweite von 1500 Kilometern hat, soll den USA die Lust an solchen Manövern nehmen. „Die Raketen sollen den USA zeigen, dass sie in unserem Gebiet nichts zu suchen haben“, sagt Wang Xiangsui, Militäranalyst an der Pekinger Universität für Luftfahrttechnik.

Chinas wachsende Fähigkeit, seinen Forderungen mit entsprechender militärischer Hardware Nachdruck zu verleihen, löst nicht nur in den USA Sorgen aus. Auch bei Chinas Nachbarn entsteht der Eindruck, dass Peking zunehmend aggressiv auftritt. Sowohl im Ostchinesischen wie im Südchinesischen Meer versucht China in Jahrzehnte alten Territorialkonflikten eine Entscheidung zu erzwingen. Kurz vor seiner Peking-Reise warnte US-Verteidigungsminister Gates davor, dass Chinas schnelle Waffenentwicklungen die US-Kontrolle über den Asienpazifikraum gefährde. „Sie sind zweifellos in der Lage, einige unserer Truppen zu gefährden und wir müssen dafür sorgen, dass wir darauf mit unseren eigenen Programmen angemessen reagieren“, sagte Gates. Doch während die finanziell angeschlagenen USA ihr Verteidigungsbudget stark zusammenstreichen müssen, weitet China seine Ausgaben sprunghaft aus. Chinas Militärbudget hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Einem Pentagonbericht zufolge lag der chinesische Verteidigungsetat im Jahr 2009 bei 150 Milliarden Dollar und damit weit höher als offiziell angegeben. Die USA geben jährlich mit rund 700 Milliarden Dollar aber noch weitaus mehr aus.

Unter diesen Bedingungen ist es schwer vorstellbar, wie sich das Verhältnis zwischen den Militärs beider Seiten grundlegend verbessern soll. Chinesische Experten werfen den USA vor, die Aufrüstung der Volksrepublik selbst ausgelöst zu haben. Peking beobachtet nervös, wie Washington versucht, China durch eine Kette von Allianzen in der Region zu isolieren. „Es ist eine Tatsache, dass die USA China eindämmen und daran hindern wollen, eine starke Regionalmacht zu werden“, sagt Ni und meint, dass die chinesischen Bemühungen bei den Nachbarn Beruhigung, nicht Angst auslösen sollten. „Das Land, vor dem alle Angst haben sollten, sind die USA, die ungeheure Macht haben“, sagt auch Wang. „Macht ohne Einschränkung ist etwas Schreckliches, aber China will für ein besseres Gleichgewicht sorgen.“

Bernhard Bartsch | 11. Januar 2011 um 03:35 Uhr

 

Ein Kommentar

  1. Stephan

    05. November 2012 um 16:47

    China hat doch Recht was würden den die Amerikaner sagen wen Chinesische Träger 1000 km vor New York kreuzen würden. Die Amerikaner dürfen machen was Sie wollen. Und China hat im eignen Land den Mund zu halten. china schützt ja nur seine Küste weitläufig. Ich würde Tausende von solchen Raketen Stationieren dann hätten die Amerikaner wirklich spass.