Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Kalte Freundschaft

Kurz vor seiner Chinareise versucht Japans Premier mit antichinesischen Tönen aus dem Popularitätstief zu kommen. Peking reagiert gereizt, aber diszipliniert.

Taro AsoEine Topfpflanze überschattet das Verhältnis zwischen China und Japan. Doch zum Scheitern des am Mittwoch beginnenden Gipfeltreffens der beiden asiatischen Großmächte soll das provozierende Geschenk des japanischen Premierministers Taro Aso an den umstrittenen Yasukuni-Schrein allerdings nicht führen, erklärte Gastgeber Peking am Montag. „Wir messen diesem Besuch große Bedeutung bei“, erklärte Außenamtssprecherin Jiang Yu am Dienstag. China hoffe auf gemeinsame Fortschritte bei der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise sowie im Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte Jiang gegenüber Tokio „ernste Sorge und Unzufriedenheit“ zum Ausdruck gebracht und vor „ernsten und negativen Folgen für die bilateralen Beziehungen“ gewarnt hatte. Aso hatte dem Shinto-Heiligtum, in dem auch mehrere verurteilte Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg verehrt werden, kürzlich ein mit seinem Namen versehenes Nadelbäumchen geschickt. Das umgerechnet 400 Euro teure Präsent, das der Premier aus seiner eigenen Tasche bezahlt haben soll, löste in China Empörung aus. Die Chinesen werfen den Japanern seit Jahrzehnten vor, sich nicht angemessen zu ihren Gräueltaten zu bekennen.

Dass Aso kurz vor seinem ersten vollen Staatsbesuch in China einen Streit riskiert, halten Politikbeobachter dennoch für wohl kalkuliert. Antichinesische Töne sind in Japan derzeit mehrheitsfähig – ganz anders als Asos Liberaldemokratische Partei (LDP). Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Japaner den Aufstieg ihres großen Nachbarlandes als Bedrohung sehen. Doch noch unbeliebter als China sind in Japan derzeit die konservative Regierungspartei und ihr seit sieben Monaten amtierender Premier Aso. Da dieser spätestens im September Parlamentswahlen abhalten muss, scheint er mit rechtsnationalem Populismus die traditionelle LDP-Wählerschaft versöhnen zu wollen. Sein Amtsvorgänger Junichiro Koizumi hatte während seiner Regierungszeit von 2001 bis 2006 mit wiederholten Besuchen im Yasukuni-Schrein seine Popularität bei den LDP-Anhängern gesichert, dafür allerdings eine diplomatische Eiszeit mit Peking hervorgerufen.

Zwar schreckt Aso vor derart offenen Provokationen gegenüber Japans größtem Handelspartner zurück. Doch am Montag stichelte sein Außenminister Hirofumi Nakasone erneut gegen Peking und warf der Volksrepublik vor, ihre Militärausgaben nicht offen zu legen und eine „unklare Strategie“ zu verfolgen. „China ist weiterhin damit beschäftigt, sein Nukleararsenal zu modernisieren und unternimmt nichts, um seine Atomwaffen zu reduzieren“, sagte Nakasone. „Das Land veröffentlicht auch keinerlei Informationen über sein Nukleararsenal.“ Pekings Außenministeriumssprecherin wies die Kritik am Dienstag zurück. „Die japanischen Anschuldigungen in dieser Hinsicht sind ohne jeden Grund“, erklärte Jiang. China unterstützte die internationalen Abrüstungsbemühungen.

Allerdings sind auch in China derzeit antijapanische Ressentiments im Schwange. Seit vergangener Woche erweist sich „Nanking, Nanking“, ein chinesischer Film über die japanische Invasion Nankings im Jahr 2007, als Überraschungserfolg an der Kinokasse. Schon innerhalb der ersten fünf Tage spielte das Historienepos fast seine gesamten Produktionskosten von rund sieben Millionen Euro wieder ein. Der deutsche Film „John Rabe“, der ebenfalls die Geschichte des Nanjing-Massakers erzählt, kommt am Mittwoch in die chinesischen Kinos und könnte dort, anders als in Deutschland, ebenfalls zu einem Kassenerfolg werden.

Bernhard Bartsch | 29. April 2009 um 01:22 Uhr

 

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