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Jugend forscht

Wie ein elfjähriger Schüler einen chinesischen Lebensmittelskandal aufdeckte.

Soll man glauben, was in der Zeitung steht? Nein, fand Zhang Hao, jedenfalls nicht wenn es um seine Leibspeise geht: Pilze. Weil chinesische Medien im Frühjahr berichtet hatten, dass Pilze häufig mit Bleichmitteln aufgehellt werden, hatte seine Mutter sie kurzerhand aus ihrer Küche verbannt, sehr zum Verdruss des Pekinger Grundschülers. Um seine Mutter eines Besseren zu belehren, startete der Elfjährige seine eigene Untersuchung – und fand heraus, dass die Behandlung mit gesundheitsschädlichen Chemikalien noch weitaus verbreiteter ist als angenommen. Mit Hilfe eines Studenten der Landwirtschaftlichen Hochschule betrachtete Zhang Hao 14 Sorten frischer und zwei Arten getrockneter Pilze unter dem Mikroskop und fluoreszierender Beleuchtung. Bei 13 Proben entdeckte er Rückstände von Bleichmitteln. Nur eine Sorte frischer Pilze sowie die Trockenware erwiesen sich als einwandfrei.

Seitdem die „Pekinger Nachrichten“ Ende November über den Fall des wissbegierigen Jungen berichtete, ist Zhang Hao in China ein kleiner Star. Denn sein Ergebnis trifft einen empfindlichen Nerv: Immer wieder erschüttern Lebensmittelskandale das Vertrauen der chinesischen Benutzer. So wurde etwa Schinken in Pestizide getaucht, um ihn von Schädlingsbefall zu schützen und Katzenfleisch in Schafsurin gebadet, um es als Lamm verkaufen zu können. Garnelen wurden mit Beize rot gefärbt und Suppen mit Opiaten verfeinert, um die Kunden abhängig zu machen. Für die weltweit größten Schlagzeilen sorgte im Jahr 2008 gepanschtes Babymilchpulver, dem die Industriechemikalie Melamin zugesetzt war, die 300.000 Kleinkinder an Nierensteinen erkranken ließ und mindestens sechs tötete.

Die Behörden reagieren auf die Enthüllungen meist mit scharfen Dementis. Auch im Pilzskandal versucht die Regierung, die Untersuchung als „unwissenschaftlich“ abzustempeln und das Vertrauen in die staatlichen Qualitätssicherungsmechanismen wiederzugewinnen. 97,7 Prozent aller Pilze seien unbehandelt, ließen die Pekinger Behörden verkünden. Doch laut dem Ergebnis einer Internetumfrage vertraut die überwiegende Mehrheit der Chinesen lieber dem Elfjährigen. „Warum sollte Zhang Hao lügen?“ lautete ein typischer Kommentar in einem Chatforum. „Schließlich hat er seine Untersuchung doch nur begonnen, um seiner Mutter zu beweisen, dass sie die Pilze wieder unbesorgt wieder in die Küche zurückholen kann.“

Bernhard Bartsch | 06. Dezember 2010 um 03:52 Uhr

 

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