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Japans Medien fordern transparente Informationen

Nach dem Erdbeben kritisieren Japans Medien den Kernkraftwerkbetreiber Tepco und fordern ein Ende der politischen Grabenkämpfe. Eine Presseschau.

Angesichts des Ausmasses der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe sowie der Sorgen um die Sicherheit der beschädigten Atomkraftwerke fordern Japans Medien ein Ende der lähmenden Blockade zwischen Regierung und Opposition. «Seit Monaten haben sich die Regierung und die Opposition Grabenkämpfe geliefert», schreibt die «Asahi Shimbun». «Die Katastrophe hat endlich eine Situation geschaffen, in der die Parteien zum Wohl des Landes zusammenarbeiten können.» Der Ministerpräsident müsse in der Lage sein, sich ganz der Krisenbewältigung zu widmen, statt sich um Parlamentsdebatten kümmern zu müssen. «Es ist entscheidend, dass effektive Massnahmen ergriffen werden, um wirtschaftliche und soziale Unruhen zu vermeiden», so die Zeitung.

Die «Yomiuri Shimbun» fordert einen grossen Zusatzhaushalt: «Die Parteien in der Regierung und der Opposition sollten konkrete Vorschläge für einen Zusatzhaushalt entwickeln und sicherstellen, dass die nötigen Mittel zur Verfügung stehen.» Die bisherigen Reserven reichten für den Wiederaufbau nicht aus, fürchtet das Blatt. «Das Parlament sollte das Budget so schnell wie möglich verabschieden, damit dann die Umsetzung beginnen kann.»

Scharfe Kritik gibt es an dem Krisenmanagement des Nuklearkonzerns Tepco und der staatlichen Kraftwerkaufsicht. Erst zwei Tage nach dem Beben hätten sich die Betreiber dazu durchringen können, den von einer Kernschmelze bedrohten Reaktor mit Meerwasser zu kühlen. «Tepco hat dies zu vermeiden versucht, weil das Salz und andere Substanzen im Wasser es sehr schwer machen, den Reaktor in Zukunft weiter zu benutzen», schreibt die Zeitung «Yomiuri». «Wir glauben, diese Entscheidung hätte schon viel früher getroffen werden sollen, denn die Sicherheit muss höchste Priorität haben.» Die Bedeutung der Kernenergie als einer der wichtigsten Energiequellen des Landes müsse grundsätzlich überdacht werden. «Dies ist der erste ernsthafte Nuklearunfall in unserem Land», kommentiert das Blatt. «Die Schockwelle der Explosion dürfte ihre Rolle in ihren Grundfesten erschüttern.»

Die Zeitung «Mainichi» wirft Regierung und Betreibern vor, die Öffentlichkeit unzureichend zu informieren. «Die Regierung sollte schnell und effizient Daten darüber offenlegen, wie viel Strahlung die Menschen ausgesetzt worden sind, und sie sollte ausführlich erklären, welche möglichen Gesundheitsfolgen zu erwarten sind», schreibt die Zeitung. «Wahrscheinlich fürchtet die Regierung mögliche Überreaktionen, aber sie darf nicht vergessen, dass verlässliche Informationen unerlässlich sind, um die Sicherheit der Öffentlichkeit zu garantieren.» Gleichzeitig fordert das Blatt die Bevölkerung dazu auf, die drastischen Stromsparmassnahmen, die für die nächsten Wochen stundenlange Elektrizitätsausfälle vorsehen, zu unterstützen. «Die geplanten Stromausfälle betreffen nicht nur Unternehmen, sondern auch normale Haushalte, aber die Öffentlichkeit sollte die Massnahmen angesichts des Leidens der Opfer in den betroffenen Gebieten akzeptieren.»

Die «Japan Times» richtet den Blick bereits in die Zukunft: «Lebenslinien wie das öffentliche Verkehrssystem, Telefonleitungen und die Mobilnetze sollten so schnell wie möglich wieder instand gesetzt werden, und es sollte langfristig dafür gesorgt werden, dass sie künftig Erdbeben besser gewachsen sind.» Ausserdem müsse die Regierung ihre Pläne, alle Schulen des Landes erdbebensicher zu machen, beschleunigen, fordert die «Japan Times». Schliesslich rufe die Katastrophe den Japanern «schmerzhaft in Erinnerung, dass grosse Beben jederzeit über uns hereinbrechen können».

Bernhard Bartsch | 14. März 2011 um 06:05 Uhr

 

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