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Image-Havarie

Da der vor Australien auf Grund gelaufene Frachter aus China stammt, droht dem Land nun schwerer Image-Schaden.

Die Umweltkatastrophe am australischen Barrier-Reef ist „Made in China“. Der Frachter „Shen Neng 1“, der am Sonntag mit 65.000 Tonnen Kohle und rund 975 Tonnen Öl an Bord weit abseits der Schifffahrtsstrasse auf Grund gelaufen war, gehört der südchinesischen Shenzhen Energy Group, einer Tochterfirma der staatlichen China Ocean Shipping Company, kurz Cosco. Dem Konzern – und seinem Besitzer, der Volksrepublik China – droht damit ein Image-Desaster.

Noch ist unklar, warum sich die „Shen Neng 1“ nicht auf der vorgeschriebenen Schifffahrtsroute bewegte. Dem chinesischen Eigentümer und dem Kapitän droht deshalb eine hohe Geldstrafe. Doch die wäre noch gering gemessen an den Kosten und Schadensersatzforderungen, die auf Cosco zukommen würden, sollte das Schiff wie befürchtet auseinander brechen und seinen Inhalt im Meer verschütten. Schon vor einem Jahr hatte ein chinesisches Schiff das Great Barrier Reef bedroht. Im März 2009 das unter Hongkonger Flagge fahrende Containerschiff „Pacific Adventurer“ der britischen Reederei Swire Shipping, am Barrier Reef den bis dato größten Ölunfall verursacht. Bei rauer See verlor das Schiff damals rund 260 Tonnen Öl. Das Öl wurde an der Moreton-Insel und den Strände der Sunshine Coast in Queensland auf einer Länge von 60 Kilometern angespült.

Auch Cosco, mit über 130 Schiffen eine der größten Reedereien der Welt, ist nicht zum ersten Mal in einen Umweltskandal verwickelt. Im Sommer 2009 lief die von Cosco betriebene „Full City“ nach einem Maschinenschaden während eines Sturms vor Norwegen auf Grund und verlor Öl. Zwei Jahre vorher, im November 2007, war das Containerschiff „Cosco Busan“ vor San Francisco vom Kurs abgekommen und an einen Brückenpfeiler gefahren, woraufhin es rund 200 Tonnen Öl verlor. Obwohl das Schiff den Namen Cosco führte, stritt das Unternehmen alle Verantwortung ab, da die „Cosco Busan“ von der Hongkonger Firma Fleet Management Ltd. geführt wurde.

Cosco hat sich bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Doch nach dem jüngsten Unfall muss der Konzern damit rechnen, ins Visier von Umweltschützern zu geraten. „Wir sehen ein besorgniserregendes Muster, das möglicherweise mit dieser Firma verbunden ist“, sagte Gilly Llewellyn vom World Wide Fund for Nature (WWF) in Australien gegenüber Journalisten. Dabei zeigt sich Cosco seit Jahren bemüht, sich als verantwortliches Unternehmen zu profilieren. Nach eigenen Angaben verfügt Cosco über einen „langfristigen Sicherheitsmechanismus, der Sicherheit und Verschmutzungsvermeidung gewährleistet“. Erst vergangene Woche vermeldete der Konzern stolz, dass es vom UN Global Compact, einer Uno-Initiative für sozial und ökologisch vorbildliche Unternehmensführung, zum vierten Mal in Folge ausgezeichnet worden sei – als einziges Unternehmen Asiens. Cosco-Chef Wei Jiafu – im Firmenjargon „Kapitän Wei“ – soll sogar bei der Pekinger Regierung für eine schärfere Überprüfung chinesischer Schiffe gedrängt haben.

Doch obwohl Chinas Reedereien in den vergangenen Jahren ihre Flotten stark modernisiert haben, sind noch immer viele alte Schiffe im Betrieb. In den vergangenen drei Jahren sanken mehrere große chinesische Frachter, darunter das 1977 gebaute 27.000-Tonnen-Schiff Da Ji und der 18.600-Tonner Jinshan, Baujahr 1976. Zwischen 1998 und 2008 wurden in China 733 Unfälle registriert, die zur Verschmutzung des Meeres führten, zeigen offizielle Statistiken. Auch auf Binnengewässern kam es schon häufiger zu Unfällen. Zuletzt kam es im November 2009 auf dem Jangtse-Fluss, Chinas wichtigster Wasserstrasse, zu zwei Unfällen, bei denen Öl und Chemikalien ausliefen.

Bernhard Bartsch | 05. April 2010 um 15:38 Uhr

 

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