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Hosni wer?

Chinas Propagandabehörden haben Berichte über Ägyptens Volksaufstand weitgehend zensiert – aus Angst vor Nachahmung im eigenen Land.

Der Sturz von Hosni Mubarak ist derzeit das wichtigste weltpolitische Gesprächsthema, doch in den chinesischen Nachrichten spielt der Name des geschassten Diktators kaum eine Rolle. Schon vor Wochen wurden Chinas Staatsmedien angewiesen, die Berichterstattung über die ägyptische Revolte auf ein Minimum zu reduzieren und sich strikt an die Vorgaben der zentralen Nachrichtenkanäle zu halten. In den Fernsehnachrichten gehörte das Ende der Ära Mubarak am Wochenende nicht zu den Hauptthemen. Der Zentralsender CCTV meldete am Samstag in knappen Worten Rücktritt des Präsidenten und zeigte dazu nicht feiernde Demonstranten, sondern Aufnahmen von verrammelten Läden und leeren Strassen. Das Parteiblatt Renmin Ribao berichtete erst auf der dritten Seite über den Machtwechsel. Zwar machten andere Zeitungen am Wochenende mit Ägypten auf, doch auch sie hielten sich in ihren Analysen an Pekings offizielle Linie, wonach es sich bei den Demonstrationen nicht um legitime Meinungsäusserung, sondern gefährliche Unruhen gehandelt habe.

„Politischer Wandel ist nichts wert, wenn das Land am Ende Opfer von Chaos wird“, schrieb etwa die Zeitung China Daily. „Falls die gegenwärtige Situation anhält, wäre das nicht nur ein Albtraum für 80 Millionen Ägypter, sondern auch verheerend für Frieden und Stabilität in der Region.“ Vor allem die schwierige wirtschaftliche Lage habe die Ägypter auf die Strasse getrieben. Aussenamtssprecher Ma Zhaoxu vermied es in einer knappen Stellungnahme sogar, den Namen Mubarak noch einmal in den Mund zu nehmen. „China hat die sich verändernde Situation in Ägypten genau verfolgt und hofft, dass die jüngsten Entwicklungen Ägypten helfen werden, die nationale Stabilität und die normale Ordnung so schnell wie möglich wiederherzustellen“, erklärte er.

Zwar unterscheidet sich die Situation in der chinesischen Ein-Partei-Diktatur zu sehr von der Lage im Nahen Osten, als dass Peking ein unmittelbares Überspringen des revolutionären Funkens fürchten müsste. Aber die Kommunistische Partei, die gegen ihre Gegner nicht weniger brutal vorgeht als das System Mubarak, ist darauf bedacht, jede Form von zivilem Ungehorsam zu diskreditieren.

Auf chinesischen Mikroblogseiten sind Suchen oder Einträge mit den Begriffen „Mubarak“ oder „Ägypten“ seit Tagen blockiert. In den Foren chinesischer Regimekritiker, die in der Volksrepublik allerdings nur mit Software zur Umgehung von Internetsperren erreichbar sind, wird der Fall Ägypten dennoch lebhaft diskutiert. „Es hat nur 18 Tage gebraucht, um ein Militärregime zum Einsturz zu bringen, das 30 Jahre an der Macht war und harmonisch und stabil aussah“, schrieb der aufmüpfige Künstler Ai Weiwei und fügte mit Blick auf China hinzu: „Dieses Ding hier, das seit 60 Jahren besteht, bräuchte wohl mehrere Monate.“ Der Menschenrechtsanwalt Teng Biao schrieb per Twitter: „Das Geheimnis von Glück ist Freiheit, und das Geheimnis von Freiheit ist Mut.“

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2011 um 05:21 Uhr

 

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