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Heißer Jahresempfang

Ungenehmigtes TV-Feuerwerk fackelte Pekinger Hochhaus ab. Der Zentralsender liefert damit selbst den Beweis für die Selbstherrlichkeit, die ihm Kritiker vorwerfen.

Weder Terroristen noch Brandstifter, sondern Neujahrsreden haben das spektakuläre Feuer auf dem Gelände des neuen Hauptquartiers von Chinas Staatsfernsehen CCTV ausgelöst. Einen Tag nachdem der 30-stöckige Seitenflügel des Pekinger Fernsehturms ausgebrannt war, übernahm der Zentralsender am Dienstag die Verantwortung. Für Fernsehaufnahmen hatte er ein Feuerwerk mit besonders großen Raketen zünden lassen und damit gegen Brandschutzbestimmungen verstoßen. In einer Erklärung auf ihrer Internetseite erklärte die Fernsehanstalt, sie sei „zutiefst traurig darüber, dass das Feuer schwere Verluste von Staatseigentum verursacht hat“. Bei dem Brand war ein Feuerwehrmann an einer Rauchvergiftung gestorben; sechs Menschen wurden verletzt. Nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen festgenommen.

Die Brandkatastrophe bedeutet für CCTV ein Imagedesaster. Zahlreiche Behörden nutzten gestern die Gelegenheit, um den als selbstherrlich und verschwenderisch geltenden Propagandasender öffentlich zu kritisieren. Ein Sprecher der Stadtverwaltung erklärte, CCTV habe „gegen Vorschriften verstoßen und auf der Baustelle ein Feuerwerk entzündet“. Auch die Brandschutzbehörde gab zu Protokoll, sie habe die Fernsehleute auf die Gefahr ihres Vorhabens hingewiesen. Die Raketen waren weitaus explosiver als die im Handel erhältlichen Böller, mit denen am Montag Hunderttausende Chinesen am sogenannten Laternenfest, dem 15. Tag des neuen Jahres, das Frühlingsfest hatten ausklingen lassen.

Das sogenannte Fernsehkulturzentrum, kurz TVCC, war wie das 200 Meter entfernt stehende Hauptgebäude des neuen CCTV-Komplexes von dem niederländisch-deutschen Architektenduo Rem Kohlhas und Ole Scheeren entworfen worden und sollte im Oktober eröffnet werden. Das in Form eines Stiefels gebaute Hochhaus hätte ein fast fertiges Luxushotel sowie Konferenzräume, Fernsehstudios und ein IT-Zentrum beherbergt. Ob es nun abgerissen werden muss, ist unklar.

Der CCTV-Turm soll das moderne Wahrzeichen Pekings werden. Obwohl das Gebäude am Dienstag von außen stark geschwärzt aussah, erlitt es nach Angaben der Stadtverwaltung keine baulichen Schäden. Der aufwendige Neubau war in China wegen hoher Kosten auf Kritik gestoßen. Nach mehreren Pannen war das Gebäude nicht wie geplant zu Olympia im August fertig geworden. Im Fernsehen wurde es damals nur oben angeschnitten gezeigt, um die Kräne auf dem Dach zu verbergen.

Erschienen in: Frankfurter Rundschau, 11. Februar 2009

Bernhard Bartsch | 11. Februar 2009 um 01:30 Uhr

 

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