Bernhard Bartsch

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Heiße Luft aus Tianjin

China will mit einer eigenen Vorbereitungskonferenz für die Uno-Klimarunde in Cancún sein Image-Debakel in Kopenhagen wettmachen.

Wie viel Kerosin da nur wieder verbrannt wurde: 3000 Klimaschutz-Experten aus über 170 Ländern sind in den vergangenen Tagen in die chinesische Hafenstadt Tianjin gereist, um an der letzten Vorbereitungsrunde vor der Ende November beginnenden Uno-Klimakonferenz in Cancún teilzunehmen. Bei der Eröffnung der sechstägigen Veranstaltung rief die Leiterin des Uno-Klimasekretariats, Christiana Figueres, am Montag dazu auf, die Bemühungen für einen Durchbruch in Cancún zu erhöhen. «Jetzt ist die Zeit, uns unserer Herausforderung zu stellen», sagte Figueres. «Es ist im Interesse aller, noch schneller zu handeln, um die negativen Auswirkungen für alle zu minimieren.»
In Verhandlungskreisen gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass in Cancún ein verbindliches Regelwerk für die Reduktion von klimaschädlichen Emissionen beschlossen werden kann. Mit einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll kann frühestens bei der folgenden Uno-Klimakonferenz, 2011 in Südafrika, gerechnet werden.

Daran dürfte auch die Konferenz von Tianjin nichts ändern. Der Gastgeber China, der zum ersten Mal einen internationalen Kongress im Rahmen der Uno-Klimakonvention ausrichtet, hatte bereits im Vorfeld vor überzogenen Erwartungen gewarnt, zumal an dem Treffen so gut wie keine hochrangigen Entscheidungsträger teilnehmen. Stattdessen dürfte die Konferenz in erster Linie der Imagepflege des Gastgebers dienen. China ist nicht nur der weltweit grösste Produzent von Treibhausgasen, sondern auch das Land mit dem am schnellsten steigenden Ausstoss. Misst man die Pro-Kopf-Emissionen, ist die Volksrepublik allerdings noch immer nur Mittelmass.

Beim Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember hatten viele Länder der chinesischen Verhandlungsstrategie die Hauptschuld dafür gegeben, dass keine Einigung auf verbindliche Reduktionsziele zustande kam. Die chinesische Regierung weist diese Kritik von sich und besteht darauf, dass beim Klimaschutz die Industrienationen die Hauptlast tragen müssten und die Entwicklungsländer nicht zu verbindlichen Emissionsreduktionen verpflichtet werden könnten.

China hat allerdings angekündigt, es werde seine Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 reduzieren. Die Realisierbarkeit des Vorhabens steht allerdings in Zweifel, nachdem die Pekinger Regierung kürzlich hat eingestehen müssen, dass sie ihre bisherigen Ziele zur Verbesserung der Energieeffizienz in vielen Provinzen nicht erreichen kann.

Bernhard Bartsch | 04. Oktober 2010 um 09:40 Uhr

 

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