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Haft für chinesische Untergrundchristen

Chinas Regierung erhöht den Druck auf Gemeinden außerhalb der Staatskirche. Christen müssen wegen „Unruhestiftung“ ins Gefängnis.

Es ist eine unfrohe Botschaft, die Chinas Kommunistische Partei den chinesischen Christen zu Beginn der Weihnachtszeit verkündet: Wer seinen Glauben außerhalb der streng überwachten Staatskirche praktizieren will, muss künftig mit noch schärferen Strafen rechnen als bisher. Fünf führende Mitglieder einer protestantischen Untergrundkirche im nordchinesischen Linfen wurden am Donnerstag zu bis zu sieben Jahren Haft verurteilt. Es sind die seit langer Zeit härtesten Strafen für Christen, die sich in sogenannten Hauskirchen treffen und weigern, ihre Glaubensgemeinschaft beim Büro für Religionsangelegenheiten zu registrieren. Den Verurteilten wurde unter anderem vorgeworfen, „illegale Versammlungen“ organisiert zu haben, mit dem Ziel, „öffentliche Unruhe zu stiften“, erklärte ihr Anwalt Li Fanping. „Die Härte des Urteils hat mich schockiert“, sagte Li. „Die Regierung benutzt das Rechtssystem als Mittel, um die Kirche anzugreifen.“

Pastor Wang Xiaoguang, der in der Vergangenheit bereits mehrfach verhaftet wurde, soll für sieben Jahre hinter Gitter. Das gleiche Urteil erhielt seine Frau Yang Rongli, die öffentliche Unterstützung für ihren Mann zu organisieren versucht hatte. Die anderen Angeklagten wurden zu drei bis viereinhalb Jahren verurteilt. Die Angeklagten waren am 13. September während einer Razzia bei einem Frühgottesdienst verhaftet worden, berichtete das Menschenrechtsforum Boxun. Der Gerichtstermin war erst im letzten Moment anberaumt worden, offenbar aus Angst vor Protesten der insgesamt 50.000 Mitglieder von Wangs „Linfen Fushan Kirche“. Nur ein Familienmitglied jedes Angeklagten durfte im Gerichtssaal anwesend sein. Eine offizielle Stellungnahme der Behörden in Linfen war am Donnerstag nicht zu bekommen.

In den vergangenen Jahren häufen sich Berichte über Einschränkungen der Religionsfreiheit. Seit den Krawallen in Tibet im März 2008 und in Xinjiang im vergangenen Juli versucht Peking die Kontrolle über alle Religionsgruppen zu erhöhen. Immer öfter sind dabei Einschüchterung, Inhaftierung und Misshandlung zu beobachten. 2008 zählte die christliche Organisation „China Aid Association“ 2027 Fälle von Repressionen gegen Christen. Im Vorjahr waren es erst 788 gewesen. 2009 dürfte die Statistik weiter ansteigen. So waren dieses Jahr allein in Zhoukou in der Provinz Henan 200 Christen verhaftet und sechs von ihnen zu Arbeitslageraufenthalten verurteilt worden.

Offiziell sind in China 16 Millionen Menschen in der Staatskirche registriert. Die tatsächliche Zahl der Gläubigen wird jedoch auf 50 Millionen bis 130 Millionen geschätzt. Für viele steht die Zwangszugehörigkeit zur „Patriotischen Vereinigung“ im Widerspruch zu ihren religiösen Überzeugungen. So verlangt Peking von Katholiken, statt dem Papst die Partei als höchste Instanz anzuerkennen. Für die Gläubigen ist dies ein Dilemma: Sie müssen sich zwischen Landes- und Kirchenrecht entscheiden und riskieren entweder staatliche Verfolgung oder die Exkommunikation.

Bernhard Bartsch | 26. November 2009 um 17:57 Uhr

 

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