Bernhard Bartsch

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Gütesiegel statt Warnsignal

Die Volksrepublik steigt zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf, aber das Image von „Made in China“ bleibt schlecht. Eine Werbekampagne soll das ändern.

So irrt man sich gerne: Chinas Staatsstatistiker haben herausgefunden, dass sie die Wirtschaftskraft ihres Landes bisher stark unterschätzt haben. 2008 sei das Bruttoinlandsprodukt um 9,6 Prozent gestiegen, 0,6 Prozentpunkte mehr als bisher angegeben, erklärten die Datenverwalter in Peking. Auch für 2009 kündigen sie an, das bisherige Wachstum von 7,7 Prozent für die ersten drei Quartale womöglich noch einmal nach oben zu korrigieren. Die Rechnerei könnte es China erlauben, den Ausklang des Krisenjahrs als epochales Erfolgserlebnis zu feiern: Die Volksrepublik hätte ihren Erzrivalen Japan überholt und stiege zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht nach den USA auf. Und selbst wenn die Statistiker die Daten nicht rechtzeitig hinbekommen: spätestens 2010 ist Chinas Aufstieg zur globalen Nummer zwei sicher.

Das internationale Gratulationskonzert dürfte allerdings verhalten ausfallen. Chinas Wiederaufstieg zu einer Weltmacht mag zwar vielerorts Bewunderung hervorrufen, nicht jedoch das Wirtschaftssystem, auf dem die Volksrepublik ihren Erfolg aufgebaut hat: Sie gilt nach wie vor als Standort für schmutzige Billigproduktion. „Made in China“ ist das Gegenteil einer Qualitätsmarke. Dieses Manko will Peking nun mit einer internationalen Medienkampagne bekämpfen. Auf CNN und anderen internationalen Sendern läuft ein Imagefilm, der westlichen Zuschauern bewusst machen soll, dass die Produkte globaler Markenkonzerne zum großen Teil in China gefertigt werden. „Wo ,made in China“ draufsteht, müsste es eigentlich heißen: hergestellt in China, produziert mit der Welt“, lautet die Botschaft des Spots. Dazu werden Turnschuhe, Fernseher, MP3-Spieler und Handtaschen gezeigt.

Allerdings dürfte der Werbespruch nur eine Übergangsformel sein. Der Slogan „Hergestellt in China – für die Welt“ wäre den Chinesen zweifellos lieber. Denn von dem Geld, das westliche Konsumenten für chinesische Produkte ausgeben, fließen in der Regel nur etwa zehn Prozent in die Volksrepublik zurück, den Rest verdienen ausländische Händler und Markenunternehmen. Würde es Peking dagegen gelingen, „made in China“ als internationales Gütesiegel zu etablieren, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Volksrepublik auch die USA überflügelt.

Bernhard Bartsch | 28. Dezember 2009 um 18:59 Uhr

 

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