Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Gekühlte Geldströme

Asiens Regierungen wollen mit Kapitalverkehrskontrollen den Zufluss von „hot money“ eindämmen. Denn die wirtschaftliche Erholung gibt auch neuen Blasen Nahrung.

Geld ist nicht gleich Geld – schon gar nicht nach der großen Kapitalvernichtung der Finanzkrise. Denn mit der Stabilisierung der Weltwirtschaft geht auch die Entstehung von sogenanntem „hot money“ einher, hochspekulativen Anlagen, die derzeit unter anderem mit Wetten auf staatliche Konjunkturbemühungen hohe Gewinne erzielen und so neuen Blasen Nahrung geben.

Deshalb wollen Asiens Regierungen, deren Länder bei der globalen Erholung in Führung gegangen sind, nun auch bei der Eindämmung heißer Geldströme die Initiative ergreifen. In zahlreichen Hauptstädten wird derzeit die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen diskutiert oder bereits begonnen.

So kündigte vergangene Woche die Regierung in Seoul an, die Liquidität im Markt für Währungsgeschäfte künftig strenger zu kontrollieren. Anfang des Monats verbot Taiwan ausländischen Investoren, Kapitalbeträge in Termineinlagen zu positionieren. Indonesiens Zentralbank hegt ähnliche Pläne.

Indiens Finanzminister Ashok Chawla sagte vergangene Woche, sein Land werde Maßnahmen zur Verlangsamung der Kapitalzuflüsse ergreifen, sollten ausländische Investments zunehmen. Medienberichten zufolge soll die Geldmenge, die lokale Unternehmen aus dem Ausland aufnehmen dürfen, gedeckelt werden. Auch die regionale Wirtschaftsmacht China, die Geldzu- und -abflüsse seit jeher stark einschränkt, erwägt eine noch schärfere Regulierung.

Vor allem die hohen Gewinne bei Aktien, Immobilien und anderen Vermögenswerten machen den Wirtschaftslenkern sorgen. „Die asiatischen Volkswirtschaften zeigen deutliche Zeichen von Erholung, aber das heißt noch lange nicht, dass diese Erholung nachhaltig sein wird“, sagt der Shanghaier Ökonom Andy Xie, der unter Asiens Analysten den Spitznamen „Herr der Blasen“ trägt, weil er mit seinen Hinweisen auf aufgeblähte Märkte häufig richtig lag. „Der Aufschwung ist zumindest teilweise das Ergebnis neuer Überhitzungen.“

Geschürt werde die Welle an spekulativem Kapital durch die niedrigen Zinsraten der USA, sagte kürzlich Hongkongs Regierungschef Donald Tsang. „Wir haben im Moment einen Carry Trade im US-Dollar“, so Tsang. Dabei nehmen Investoren günstig Kredite in einer Währung auf und konvertieren das Kapital in die Währung eines Landes mit höheren Zinssätzen, um es dort zu investieren. Der übliche geldpolitische Hebel, übermäßige Investitionen durch Zinserhöhungen einzudämmen, wird unwirksam, da er den Zufluss von „hot money“ nur verstärkt. „Wo das Geld hinfließt, da werden später auch die Probleme sein: in Asien“, warnte Tsang. „Man sieht, wie die Vermögenspreise hochschießen, nicht nur in Korea, in Taiwan, in Singapur und in Hongkong, sie steigen auf Niveaus, die mit den ökonomischen Fundamentaldaten nicht vereinbar sind.“

Der Zufluss von Geld treibt auch die Währungskurse in die Höhe und behindert so die Bemühungen asiatischer Länder, ihre Exportwirtschaft wieder anzukurbeln. Unter anderem sind die indonesische Rupie, die indische Rupie und der südkoreanische Won in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar stark gestiegen. Nur Chinas Regierung kann sich dem Aufwertungsdruck entziehen, da ihr Yuan nicht frei handelbar und an den Dollar gekoppelt ist.

Pekings Währungsmanipulation sorgt derzeit für ernsthafte politische Verstimmungen mit den USA, Europa sowie den Nachbarländern. US-Finanzminister Timothy Geithner, seine indonesische Amtskollegin Sri Mulyani Indrawati und Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam forderten vergangene Woche in einem gemeinsamen Papier „marktorientierte Wechselkurse, die den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entsprechen“.

Bernhard Bartsch | 23. November 2009 um 02:03 Uhr

 

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