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Für Opa nur das Beste

Nordkorea feiert den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Zur Feier des Tages darf das Volk erstmals seinen Nachfolger Kim Jong Un sprechen hören.

Kim Il Sung, Nordkoreas Staatsgründer und Diktator für fast ein halbes Jahrhundert, ist in dem Land allgegenwärtig. Jeder trägt ein Foto als Anstecknadel über dem Herzen. Wer eine Zeitung mit Kims Foto wegwirft, bekleckert oder knickt, begeht ein Schwerverbrechen. Jeden Samstag müssen sich die Nordkoreaner zu Studiensitzungen versammeln, um seine „Juche-Ideologie“ zu studieren, die dem Land Unabhängigkeit und den Sieg gegen imperialistische Aggressoren verspricht. Ob im Kino oder im Stadtbild – auch 18 Jahre nach seinem Tod amtiert er noch immer als Nordkoreas Präsident. An diesem Sonntag wäre Kim Il Sung hundert Jahre alt geworden.

Kims Geburtstag ist ein nationales Großereignis. In Pjöngjang fand am Sonntag eine große Militärparade mit Zehntausenden Soldaten und Kolonnen von Panzern und Armeefahrzeugen mit Raketen statt. Höhepunkt war die erste öffentliche Rede des jungen Herrschers Kim Jong Un, dem Enkel des Jubilars. Der rund Dreißigjährige, der vor Feierlichkeiten die höchsten Ämter in Partei und Armee übertragen bekommen hatte, präsentierte sich in einer 20-minütigen, emotionslos vorgelesenen Ansprache als Mann des Militärs. „Die Überlegenheit bei militärischer Technologie ist nicht länger ein Monopol der Imperialisten“, erklärte er und bekannte sich zur Weiterführung der „Militär zuerst“-Strategie seines Vaters, des im Dezember verstorbenen „Geliebten Führers“ Kim Jong Il.

Wie der Auftritt des neuen Regenten, der seinem Großvater optisch erstaunlich ähnlich sieht, bei den Nordkoreanern ankommt, ist schwer zu beurteilen. Im Ausland macht er wenig Eindruck. Am Freitag war ein umstrittener Raketenstart gescheitert. Befürchtungen, das Regime könne sich genötigt fühlen, sich mit einer weiteren Provokation, womöglich sogar einem Atombombentest zu rehabilitieren, wurden zunächst nicht erfüllt. Nach Angaben südkoreanischer Medien soll am Sonntag in Pjöngjang aber eine neue Rakete präsentiert worden sein. Diese könnte als Nachfolgemodell der am Freitag ins Meer gestürzten Rakete vom Typ Unha-3 eingeführt werden. Laut Pjöngjang sollte der Flugkörper einen Wettersatelliten ins All schießen. Internationale Regierungen sahen den Start jedoch als Test einer Trägerrakete für Atomsprengköpfe. Schiffe der südkoreanischen und US-Marine bemühten sich am Wochenende, Trümmerteile des abgestürzten Flugkörpers aus dem Gelben Meer zu bergen. Washington und Seoul wollen demnächst weiter beraten.

Die großen Versprechen, die Pjöngjangs Regierung an den 100.Geburtstag von Kim Il Sung geknüpft hat, kann sie jedenfalls nicht erfüllen. 2012 werde in Nordkorea ein „blühendes Zeitalter“ beginnen, wurde seit Jahren angekündigt. In Wirklichkeit befindet sich das Land aber in einem katastrophalen Zustand. Nordkorea gehört zu den ärmsten Staaten der Welt, ein großer Teil der Bevölkerung leidet an Mangelernährung. Nach Angaben des Welternährungsprojekts der Vereinten Nationen (WFP) ist die Versorgung so schlecht, dass heute rund ein Drittel der nordkoreanischen Kinder Entwicklungsschäden aufweisen.

Bernhard Bartsch | 15. April 2012 um 06:09 Uhr

 

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