RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Faule Äpfel

Wie in China nicht nur Produkte, sondern gleich der ganze Laden nachgemacht wird.

Chinesen haben zum Urheberrecht ein gespaltenes Verhältnis, zumindest wenn es um die Urheberrechte anderer geht. Das Kopieren fremder Produkte ist so sehr Teil der chinesischen Wirtschaftskultur, dass es unter Managern ausländischer Firmen geradezu als Anfängerfehler gilt, sich darüber aufzuregen oder vor einem chinesischen Gericht sein Recht erstreiten zu wollen. Wer Produkte herstellt, die sich so einfach nachahmen lassen, dass die Kunden den Unterschied nicht merken, hat auf dem chinesischen Markt nichts verloren. Und in China werden inzwischen nicht nur Waren kopiert, sondern gleich ganze Verkaufskonzepte.

Das durfte nun der US-Computergigant Apple feststellen: Allein in der südchinesischen Millionenstadt Kunming bauten Unternehmer 22 Apple-Stores nach, jene durchgestylten Computerboutiquen, mit denen sich der Konzern vom herkömmlichen Elektronikfachhandel absetzen will.

Vor ein paar Wochen hatte eine amerikanische Bloggerin erstmals Bilder von drei kopierten Markenläden in Kunming ins Netz gestellt. Die Geschichte ging um die Welt, und die Stadtväter der Hinterlandsmetropole, die emsig um ausländische Investoren werben, sahen sich gezwungen, zu beweisen, dass Fälscher bei ihnen nicht ungestraft davonkommen. Deshalb ließen sie Kunming auf weitere Shopimitate durchforsten und wurden gleich 22 Mal fündig, wie die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Geschlossen wurden die Läden zwar nicht, doch das berühmte Apfel-Logo mussten sie aus ihren Schaufenstern entfernen. Das Unternehmen, das sonst schnell mit einer Klage bei der Hand ist, hat sich bisher nicht zu dem Fall geäußert, was damit zu tun haben könnte, dass die falschen Geschäfte größtenteils echte Apple-Produkte verkauften. Allerdings sind in China auch gefälschte iPhones und iPods weithin erhältlich.

Apple ist nicht das einzige Unternehmen, dessen Läden sich in China schneller vermehren als vom Management beabsichtigt. Ikea bemüht sich derzeit ebenfalls in Kunming, zwei große Möbelhäuser schließen zu lassen, die Kopien seiner Möbel verkaufen – natürlich im gelb-blauen Ikea-Look.

Während Ikea-Waren in Europa Massenprodukte sind, setzen sie in China den Wohnstandard für die neue Oberschicht. Chinesen entschuldigen die Fälscherei gerne damit, dass Nachahmungen großer Meister in der chinesischen Kultur eine lange Tradition hätten, weswegen sich die Imitierten doch lieber geehrt fühlen sollten als beklaut. Zumindest was die Ausreden angeht, bekommt man in China nur Originale.

Bernhard Bartsch | 15. August 2011 um 02:11 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.