RSS Home | Archiv | ImpressumKontakt

Erfolgskonzern Toyota macht erstmals Verlust

Der erfolgsverwöhnte Autobauer Toyota erwartet im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2008 zum ersten Mal rote Zahlen. Der Konzern leidet unter einem weltweiten Absatzrückgang und dem starken Yen.

Der japanische Automobilhersteller Toyota erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2008 den ersten operativen Verlust in der Unternehmensgeschichte. Konzernchef Katsuaki Watanabe teilte gestern in Nagoya mit, dass sich angesichts der weltweiten Finanzmarktkrise auch die erst kürzlich dramatisch gesenkten Gewinnerwartungen noch als zu optimistisch erwiesen hätten.

Statt eines Betriebsgewinns von 600 Milliarden Yen (4,88 Milliarden Euro) rechnet der weltgrößte Autohersteller nun mit einem operativen Minus von umgerechnet 150 Milliarden Yen (1,22 Milliarden Euro). Nur durch eine Steuergutschrift könne daraus unter dem Strich womöglich noch eine kleine schwarze Zahl von rund 50 Milliarden Yen (407 Millionen Euro) werden. Im vergangenen Geschätsjahr hatte Toyota noch einen Rekordgewinn von 1,7 Billionen Yen (14 Milliarden Euro) verbucht.

„Die Weltwirtschaft ist derzeit in einer so kritischen Weise angeschlagen, wie es nur einmal in hundert Jahren passiert“, erklärte Watanabe. „Das ist eine Notsituation ohne Beispiel.“ Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahrs am 31. März 2009 rechnet er mit einem Absatzrückgang in Höhe von mehr als 15 Prozent. Anfang des Jahres war Toyota noch von einem Wachstum der Autoverkäufe in ähnlicher Größenordnung ausgegangen.

Doch während der Konzern 2007 noch 8,91 Millionen Wagen verkaufte, werden es dieses Jahr nach bisheriger Schätzung höchstens 7,54 Millionen werden. Watanabe bezeichnete den Nachfrageeinbruch des letzten Monats als „viel schneller, breiter und tiefer als erwartet“. Allein in den USA, Toyotas größtem Markt, seien die Verkaufserwartungen um 250 000 auf 2,17 Millionen Wagen gesenkt worden. In Europa glaubt das Unternehmen statt 1,21 Millionen Autos nur noch 1,04 Millionen verkaufen zu können. Auch im Heimatmarkt Japan bricht der Absatz den Angaben zufolge um 70 000 Fahrzeuge ein.

Verkaufsprognosen für die kommenden zwei Jahre wollte Konzernchef Watanabe angesichts der Unsicherheiten nicht abgeben. Er schloss jedoch nicht aus, dass die Verkäufe bis auf sieben Millionen Autos im Jahr schrumpfen könnten. Neben der Konjunkturflaute kommt Toyota seit November auch durch die starke Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar und dem Euro in Bedrängnis. Wegen des starken Yen muss Toyota seine Autos im Ausland entweder teurer verkaufen oder deutlich geringere Erlöse pro Fahrzeug in Kauf nehmen.

Toyota gilt vor allem aufgrund seiner effizienten Produktionsabläufe und fortschrittlicher Technologie als einer der am besten aufgestellten Hersteller der Branche. Das 1933 von Kiichiro Toyoda gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 300 000 Mitarbeiter und betreibt 63 Werke, davon 51 außerhalb Japans. Der geplante Bau neuer Produktionsstätten sei derzeit jedoch auf Eis gelegt, erklärte Watanabe. Medienberichten zufolge sollen die Investitionen im kommenden Jahr um 30 bis 40 Prozent sinken. Zudem kündigte Toyota an, die Fixkosten um zehn Prozent senken zu wollen und die Bonuszahlungen für das gehobene Management zu streichen. Pläne für die Entlassung von fest angestellten Mitarbeitern gebe es aber nicht.

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten zeigte sich Watanabe optimistisch, dass Toyota die Krise bewältigen werde. Analysten gehen aber davon aus, dass der Konzern mindestens zwei Jahre lang rote Zahlen schreiben werde. „Derzeit ist es in der Autoindustrie weltweit sehr schwierig, ein Unternehmen zu finden, das Geld verdient“, erklärte Koji Endo von der Credit Suisse in Tokio. Im globalen Vergleich stünden japanische Hersteller aber noch relativ gut da.

Stuttgarter Zeitung, 23. Dezember 2008

Bernhard Bartsch | 23. Dezember 2008 um 10:39 Uhr

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.