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Ende einer Geheimmission

Peking und Pjöngjang bestätigen Chinareise des nordkoreanischen Machthabers. Den wahren Anlass der Visite verraten sie aber nur zwischen den Zeilen.

Fünf Tage lang war es ein schlecht gehütetes Geheimnis, nun gibt es eine offizielle Bestätigung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il ist zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten durch China gereist. Wie schon im Mai gaben die Regierungen die Visite erst bekannt, nachdem Kim am Montagnachmittag in seinem gepanzerten Sonderzug wieder die Grenze in sein Heimatland überquert hatte.

Die Berichte der Chinas Nachrichtenagentur Xinhua und Nordkoreas Zentralorgan KCNA decken sich weitgehend mit den Informationen, die in den vergangenen Tagen vor allem von südkoreanischen und japanischen Medien verbreitet worden waren: Am vergangenen Freitag traf Kim im nordchinesischen Changchun mit Chinas Präsident Hu Jintao zusammen. Dabei sei es vor allem um die Freundschaft der beiden Völker gegangen. Außerdem erklärte Kim sich zu einer Fortsetzung der Sechs-Parteien-Gespräche zu Nordkoreas umstrittenem Atomprogramm bereit – eine Zusage, die er allerdings auch schon im Mai gegeben hatte, ohne dabei allerdings wirkliche diplomatische Zugeständnisse zu machen.

Über den eigentlichen Hauptgrund der überraschenden Reise war in den offiziellen Meldungen allerdings nur zwischen den Zeilen zu lesen. Nordkoreaexperten gehen davon aus, dass Kim sich von seinem wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Verbündeten die Zustimmung für seine geplante Nachfolgeregelung sichern wollte. Anfang September soll ein Sonderkongress der Arbeiterpartei Kims jüngsten Sohn, Kim Jong-un, offiziell als Machterbe installieren. Mit dem knapp 30-Jährigen würde die Herrschaft des Kim-Clans über Nordkorea in die dritte Generation gehen. Laut Xinhua habe Kim erklärt, es sei für sein Land eine „wichtige historische Mission“, den „Staffelstab der traditionellen Freundschaft an die nächste Generation weiterzugeben“. Die KCNA zitierte ihrerseits Hu mit den Worten, er wünsche dem Sonderparteitag, dass von ihm ein „erfolgreiches Signal“ ausgehe. Südkoreanische Medienberichten zufolge soll Kim Jong-un seinen Vater in China begleitet haben. In den Regierungserklärungen und auf den veröffentlichten Bildern ist von ihm jedoch nichts zu sehen. Auch gegenüber ausländischen Diplomaten, die nach Kims Abreise über die Visite informiert wurden, erhielten keine weiteren Angaben über Kim Junior.

Nachdem sich einige chinesische Zeitungen, in den vergangenen Tagen unter Berufung auf internationale Quellen an den Spekulationen über Kims Chinareise beteiligt hatten, waren die Medien am Montag angewiesen, die Beziehungen beider Länder in höchsten Tönen zu loben. „Die Aufrechterhaltung und Stabilisierung des gegenwärtigen Verhältnisses zwischen China und Nordkorea ist für China von größtem Nutzen“, schrieb die als konservativ geltende Global Times. Xinhua lieferte als „weiteres lebhaftes Zeichen für die Bruderschaft zwischen unseren beiden Völkern“ eine Geschichte über einen Chinesen, der zwei nordkoreanische Mädchen vor dem Ertrinken gerettet hatte und dabei selber starb.

Laut Xinhua habe es sich um einen inoffiziellen Besuch gehandelt – formell Kim hat kein Regierungsamt, obwohl er trotzdem die beiden wichtigsten Machtpositionen im nordkoreanischen Staatsapparat besetzt: Er ist Generalsekretär der alleinherrschenden Arbeiterpartei und Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, die das Militär kontrolliert. Bei seiner Reise besuchte Kim mehrere Revolutionsgedenkstätten, unter anderem einen Friedhof, auf dem koreanische Kämpfer aus dem antijapanischen Krieg begraben liegen, und eine Schule, die einst sein Vater Kim Il-sung besucht hatte.

Bernhard Bartsch | 30. August 2010 um 16:32 Uhr

 

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