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Ein Leben für die Demokratie

Südkoreas ehemaliger Präsident Kim Dae-jung war eine Ikone der asiatischen Demokratiebewegung. Nun ist der Friedensnobelpreisträger gestorben.

Er kämpfte ein Leben lang für die Demokratie – und musste am Ende damit leben, dass ausgerechnet die Demokratie ihm seinen größten Erfolg verdarb: Der ehemalige südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung ist am Dienstag in Seoul im Alter von 83 Jahren gestorben. Kim, der das Land von 1998 bis 2003 regierte, war zuvor jahrzehntelang eine Galionsfigur im Kampf gegen Südkoreas Militärdiktatur gewesen. International berühmt wurde er Ende der Neunziger der Architekt der umstrittenen Sonnenscheinpolitik gegenüber Nordkorea. Im Jahr 2000, wenige Monate nach einem historischen Gipfeltreffen mit Pjöngjangs Diktator Kim Jong-il, erhielt Kim den Friedensnobelpreis. Die Zusammenkunft geriet jedoch wenig später in ein schlechtes Licht, als ein Parlamentsausschuss herausfand, dass Südkorea dafür durch verschiedene Kanäle heimlich 300 Millionen Euro bezahlt hatte. Kim versuchte dies zwar damals zu rechtfertigen, dass damit Wirtschaftsprojekte in dem verarmten Land finanziert worden seien, doch der Glanz seines Nobelpreises erlosch und politisch war er zuletzt isoliert.

Dabei hatte Kim Dae-jung in seinem Leben oft genug unter Beweis gestellt, wie viele Opfer er für Demokratie und Transparenz zu bringen bereit war. 1925 als zweites von sieben Kindern einer Bauernfamilie geboren, zog es ihn schon mit Ende zwanzig in die Politik. Während er anfangs noch in einer Reederei und später als Zeitungsverleger arbeitete, entwickelte er sich zum Vollzeitpolitiker, nachdem er mit 36 Jahren ins südkoreanische Parlament gewählt wurde. Dort machte er als Oppositionsführer auf sich aufmerksam. Als Präsident Park Chun-hee Anfang der Siebziger versuchte, seinem Regime einen demokratischeren Anstrich zu geben, gewann Kim überraschend die Präsidentschaftswahl. Doch die Militärherrscher hatten nicht die Absicht, das Feld zu räumen und verhängten kurzerhand das Kriegsrecht. Kim floh nach Japan und führte seinen Widerstand gegen Park im Ausland weiter.

Für die Herrscher in Seoul war das peinlich. Park schickte Agenten, die Kim ermorden sollten – ein Vorhaben, dass auf Eingreifen der US-Regierung im letzten Moment gestoppt wurde. Angeblich hatte Kim schon Betonklötze an den Füßen und sollte im Meer versenkt werden, als ein Anruf ihm das Leben rettete. Nach seiner Rückkehr nach Südkorea wurde er wegen subversiven Aktivitäten zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zwar kam er nach Parks Tod 1979 frei, doch schon ein Jahr später ließ ihn dessen Nachfolger Chun Doo-hwan wegen erneuter umstürzlerischer Aktivitäten zum Tode verurteilen. Die Strafe wurde allerdings in Haft umgewandelt. 1982 durfte der Gefangene aus medizinischen Gründen in die USA ausreisen. Als er drei Jahre später in seine Heimat zurückkehrte, wurde er abermals unter Hausarrest gestellt.

Das Blatt wendete sich, als Kim bereits im Rentenalter war. 1987 fanden erstmals demokratische Wahlen statt, bei denen Kim als Präsidentschaftskandidat antrat. Er verlor jedoch gegen Roh Tae-woo. Auch vier Jahre später scheiterte er. Obwohl er diesmal das Ende seines politischen Lebens erklärte, war er wenig später wieder am Start, gründete eine neue Partei und gewann 1997 schließlich das höchste Amt. Im „Blauen Haus“ musste der frischgebackene Präsident sich als Krisenmanager gegen die Asienkrise beweisen. Er zerschlug Südkoreas Großkonzerne, die sogenannten Chaebols, ein Erbe der Cliquenwirtschaft während der Militärdiktatur. Dank seiner Wirtschaftsreformen fand Südkorea schneller aus der Krise als andere Staaten der Region.

In Erinnerung bleiben dürfte Kim aber vor allem wegen seiner Sonnenscheinpolitik gegenüber Nordkorea. Nach Jahrzehnten der Konfrontation versuchte er eine Annäherung an das Regime in Pjöngjang. Sein Vorbild war dabei Willy Brandts Ostpolitik. Im Juni 2000 reiste er nach Pjöngjang. Es war das erste Mal seit dem Korea-Krieg, dass die Führer der beiden Koreas miteinander sprachen. Sie vereinbarten eine Politik der friedlichen Koexistenz und kündigten eine Entspannungspolitik und vertrauensbildende Maßnahmen an. Doch nicht nur wegen der heimlichen Machenschaften während der Vorbereitung des Treffens geriet die Sonnenscheinpolitik in die Kritik: Die heutige Regierung ist von der Annäherung wieder abgerückt, weil sie glaubt, dass Kim dadurch die Möglichkeit bekommen habe, den Süden noch effektiver zu erpressen.

Bernhard Bartsch | 18. August 2009 um 02:48 Uhr

 

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