Bernhard Bartsch

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E-Mobil von Daimler-Partner explodiert

Bei einem Unfall ist ein Elektroauto des chinesischen Herstellers BYD explodiert. Die Batterietechnologie steckt auch in einer Gemeinschaftsentwicklung mit Daimler.

Chinas ehrgeizigen Plänen, als erstes Land in großem Maßstab Elektroautos auf die Straße zu bringen, droht ein schwerer Rückschlag. Nachdem am Wochenende ein batteriebetriebenes Taxi des chinesischen Herstellers BYD bei einem Zusammenstoß explodierte, ist in der Volksrepublik eine Diskussion über die Sicherheit von E-Mobilen entbrannt. Der Unfall, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, beschädigt das Vertrauen in die junge Technologie und bringt neben Chinas Elektroauto-Pionier BYD auch Daimler in Bedrängnis. Die Stuttgarter hatten Ende April ihr gemeinsam mit BYD entwickeltes Elektrofahrzeug Denza vorgestellt, in dem wohl die gleiche chinesische Batterietechnik eingesetzt werden soll wie in dem Unglückswagen.

Der Unfall ereignete sich in der Nacht zum Samstag auf einer Autobahn im südchinesischen Shenzhen. Als ein Sportwagen von hinten auf das Taxi auffuhr, ging das Fahrzeug vom Typ BYD-E6 in Flammen auf. Der Fahrer und seine beiden Passagiere starben. Im Internet veröffentlichte Bilder zeigen das lichterloh brennende Fahrzeug und das ausgebrannte Wrack. Mehrere chinesische Medien berichteten über die Tragödie und zitierten Experten, welche die Explosion mit einem Kurzschluss erklärten, der zur Überhitzung der Lithium-Ionen-Batterie geführt habe. Dies könne „innerhalb von Sekunden zur Explosion führen“, sagte Lo Kok-keung vom Institut für Ingenieurwissenschaften der Hong Kong Polytechnic University der South China Morning Post.

„Das ist eine der großen, versteckten Gefahren von Elektroautos, die in benzinbetriebenen Fahrzeugen nicht existieren.“ BYD hat sich bisher nicht zu dem Fall geäußert. Daimler erklärte in einer Stellungnahme, aufgrund der andauernden Untersuchungen könne man sich nicht zu den Ursachen äußern. Der Unfall habe aber „keinen Einfluss auf unser Joint-venture mit BYD zur Entwicklung eines neuen Elektrofahrzeugs“.

Ende April hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Pekinger Automesse das im Joint-venture mit BYD entwickelte E-Gefährt vorgestellt, das ab 2013 unter der Marke „Denza“ auf dem chinesischen Markt verkauft werden soll. Zwar halten sich beide Seiten mit technischen Details bedeckt, doch bekannt ist, dass die Batterien von BYD stammen. Diese Technologie sei anders als bei den Batterien, die Daimler in seinen eigenen E-Mobilen einsetze, erklärte Zetsche damals. Zu den Vor- und Nachteilen der beiden Technologien sagte er damals ausweichend, Daimler habe nicht vor, BYDs Batterien außerhalb des Joint-ventures einzusetzen. Dass die Stuttgarter sie für den „Denza“ verwenden, hat maßgeblich mit Auflagen der chinesischen Regierung zu tun, wonach bei Elektroautos die Patente für mindestens eine der drei Schlüsseltechnologien (Batterie, Getriebe und Steuerung) bei einem in China ansässigen Unternehmen liegen müssen. Pekings ambitionierter E-Mobil-Strategie zufolge sollen bis 2020 fünf Millionen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf Chinas Straßen sein. Käufer von Elektroautos, vor allem staatliche Fuhrparks oder Taxiunternehmen, können hohe Subventionen abrufen.

Daimlers Partner BYD gilt dabei als einer der nationalen Hoffnungsträger. Das Shenzhener Unternehmen, dessen Abkürzung für „Build your Dreams“ steht, war Ende 2008 schlagartig bekannt geworden, als US-Investorenlegende Warren Buffet zehn Prozent der Anteile des aus einem Batterienhersteller entstandenen Autokonzerns kaufte. Seitdem musste BYD allerdings einen Dämpfer nach dem anderen einstecken. Seine technischen Versprechen konnte BYD nicht halten und seine Ankündigung, innerhalb weniger Jahre zehntausende Elektrofahrzeuge zu verkaufen, nicht erfüllen. Heute sind in Shenzhen rund 300 BYD-E6 als Taxi im Einsatz.

Sollten Untersuchungen die vermutete Explosionsgefährlichkeit der BYD-Batterie bestätigen, dürften neben Daimler auch andere Hersteller ihre stark auf China fokussierte E-Mobilitäts-Strategie überdenken. BMW arbeitet mit seinem Partner Brilliance ebenso an einem chinesischen E-Auto wie Volkswagen. Die Wolfsburger haben sogar gleich zwei Projekte mit ihren beiden chinesischen Joint-venture-Partnern. Mit First Automotive Works (FAW) ist ein Fahrzeug in Entwicklung, das unter der Marke „Kaili“ auf den Markt kommen soll.

Ein zweites Auto, das in Kooperation mit der Shanghai Automotiv Industry Corp. (SAIC) entsteht, soll voraussichtlich unter dem Namen „Tantus“ verkauft werden. Dass für die Autos neue Marken geschaffen werden, hat Brancheninsidern zufolge auch den Grund, dass die ausländischen Herstellern sich Sorge um ihren guten Namen machen, falls es bei den chinesischen Entwicklungen zu Problemen kommt. Denn hinter den Initiativen steht vor allem Druck der chinesischen Regierung, innerhalb kurzer Zeit E-Autos auf die Straße zu bringen. Dies ist eine Vorbedingung für den Bau und Betrieb neuer chinesischer Werke.

Bernhard Bartsch | 28. Mai 2012 um 14:27 Uhr

 

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