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Die Sonnenscheinwitwe

Hyundai-Chefin Hyun Jeong-eun ringt Nordkorea Öffnungssignale ab.

Kim Jong Il ist in Besucherlaune. Erst ließ sich Nordkoreas Diktator vor zwei Wochen Bill Clinton kommen, um zwei amerikanische Geiseln gegen einen öffentlichkeitswirksamen Fototermin zu tauschen. Nun traf er sich am Sonntag mit Hyun Jeong-Eun, der Chefin des südkoreanischen Hyundai-Konzerns. Die Begegnung mit der 54-jährigen Geschäftsfrau steht der Visite mit dem ehemaligen US-Präsidenten an Brisanz in nichts nach: Immerhin verdankt Kim Hyuns Familie hunderte Millionen Dollar – und sie ihm den Selbstmord ihres Mannes. Chung Mong-Hun hatte sich 2003 aus dem Fenster seines Büros gestürzt, nachdem bekannt geworden war, dass der Industrielle den Tyrannen bestochen hatte, um den sogenannten Sonnenscheingipfel im Jahr 2000 zu erkaufen, für den Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung sogar den Friedensnobelpreis erhielt.

Ob diese alten Geschichten während des vierstündigen Treffens zur Sprache kamen, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass Kim seinen Besuch auch diesmal nicht mit leeren Händen abreisen ließ. Nach einem Jahr kontrollierter Eskalation lässt er seinen südkoreanischen Landsleuten wieder Versöhnungsgrüße ausrichten. Nordkoreas offizielle Nachrichtenagentur KCNA verkündete am Montag die Fortsetzung der Familienzusammenführungen, des innerkoreanischen Tourismus und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Ab sofort können Südkoreaner wieder in eine nordkoreanische Ferienanlage im Diamant-Gebirge reisen. Die Beschränkungen des Grenzverkehrs sollen aufgehoben und die gemeinsame Industriezone weiter ausgebaut werden, hieß es. Rund 110 südkoreanische Unternehmen haben dort investiert und beschäftigen 40 000 Nordkoreaner.

Vor allem deswegen war die studierte Psychologin Hyun, die erst nach dem Freitod ihres Mannes in das Familiengeschäft eingestiegen war, vergangene Woche in den Norden gereist. Hyundai gehört zu den größten Investoren in der gemeinsamen Industriezone Kaesong und betreibt außerdem Reisen in den Norden. Letztere waren im vergangenen Juli ausgesetzt worden, nachdem ein nordkoreanischer Soldat eine südkoreanische Touristin am Strand erschossen hatte, weil sie sich angeblich einem militärischen Sperrgebiet genähert habe. Kim Jong Il habe ihr zugesichert, dass so etwas nie wieder passieren werde, sagte Hyun. Seouls Wiedervereinigungsministerium begrüßte am Montag die positive Entwicklung.

Bernhard Bartsch | 18. August 2009 um 02:23 Uhr

 

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