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Die Sonnenpflückerin

Mit Miyuki Hatoyama bekommt Japan eine First Lady, die ihrem Mann leicht die Show stehlen kann.

Sie lebt von Sonnenstrahlen, näht sich Röcke aus Kaffeesäcken und will in einem früheren Leben mit Tom Cruise liiert gewesen sein – Japans neue First Lady dürfte Japans traditionsverhaftetes Frauenbild ordentlich aufmischen. Miyuki Hatoyama, deren Mann Yukio mit seiner Demokratischen Partei (DPJ) als haushoher Sieger aus den Parlamentswahlen hervorging, ist in ihrer Heimat auch unabhängig von ihrem Gatten ein Star. Als „Lifestyle-Guru“ bezeichnen Medien die extrovertierte 66-Jährige, die unter anderem als Designerin und Motivationslehrerin in Erscheinung tritt und mehrere Kochbücher mit Titeln wie „Spirituelles Essen“ geschrieben hat. Haben japanische Politikerfrauen sich bisher stets auf die Rolle der braven Hausfrau zurückgezogen, so könnte der künftige Premier seine liebe Mühe haben, neben seiner Gemahlin nicht blass zu erscheinen.

Schon beim ersten Kennenlernen verstieß das Paar gegen alle japanischen Traditionen. Mitte der Sechziger war Miyuki, die in ihrer Jugend in der berühmten Frauentanzgruppe Takazuku getanzt hatte, mit ihrem ersten Mann in die USA gegangen und begann dort bald eine Affäre mit dem vier Jahre jüngeren Hatoyama. Der Spross einer berühmten japanischen Politikerdynastie schrieb damals an der Stanford Universität seine Doktorarbeit in Ingenieurswissenschaften. Nach ihrer Scheidung heiratete das Paar 1975 und bekam einen Sohn. Noch heute schwärmt Hatoyama in aller Öffentlichkeit von seiner Frau: „Sie ist meine immer scheinende Sonne“, sagte er in einem Interview. „Ihre Fröhlichkeit kennt keine Grenzen. Sie ist für mich wie eine Energieaufladestation.“

Miyuki Hatoyama beschreibt ihre eigenen Kraftquellen dagegen weitaus esoterischer. „Wenn die Sonne am Himmel ist, esse sich sie“, erzählte sie kürzlich bei einem Fernsehauftritt. „Ich pflücke sie mir einfach – das gibt mir ungeheure Energie.“ Ihren Beruf bezeichnet sie als „Lebenskomponistin“, die für andere Menschen Mode, Wohnungseinrichtung, Ernährung und Ideen arrangiere wie ein Musiker eine Partitur. Auch das Image ihres Mannes sei von der Frisur bis zur Krawatte von ihr gestaltet. Die Liste ihrer Hobbys umfasst Gemüseeinlegen, Glasmalerei, Töpfern und Nähen. Erst kürzlich trat sie in einer Sendung in einem selbst genähten Rock aus alten Kaffeesäcken auf, die sie auf Hawaii gefunden hatte. „Ich muss einfach alles ausprobieren“, sagt sie. Noch nie habe sich einer ihrer Wünsche nicht erfüllt, denn ihr Credo lautet: „Träume werden wahr, wenn man nur daran glaubt.“

So hält sich ihre Fantasie nicht bei ihrer neuen Rolle als First Lady auf. Vor allem möchte sie bei einem Hollywoodfilm Regie führen, offenbarte sie unlängst. Sie habe bereits ein Drehbuch, „das die Wertvorstellungen der Menschen grundlegend verändern“ werde. „Einen Oscar habe ich schon sicher.“ Als Hauptdarsteller plant sie mit Tom Cruise, „weil ich weiß, dass er in einem früheren Leben Japaner war.“ Damals seien sie sogar ein Paar gewesen. „Er wird verstehen, was ich meine, wenn ich zu ihm sage: Lange nicht gesehen.“

Bernhard Bartsch | 30. August 2009 um 16:50 Uhr

 

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