Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Die große Fiktion

Bei ihrer Gründung hatte Chinas Kommunistische Partei 57 Mitglieder. Heute sind es 73 Millionen, die das bevölkerungsreichste Land der Erde beherrschen. Was hält eine solche Riesenorganisation zusammen? Und was an der Macht?

Im Bau befindliche Mao-Statue in ChangshaVor einigen Wochen machte eine Delegation von Führungskräften der China Construction Bank einen Ausflug zum Geburtsort von Mao Zedong. Die Manager des zweitgrößten chinesischen Geldhauses flogen von Peking zweieinhalb Stunden nach Changsha und fuhren dann weitere zwei Stunden nach Shaoshan. Dort hatte ein Vorauskommando bereits alles vorbereitet. Eine Reiseleiterin führte die Banker durch das kleine Bauernhaus, in dem der „Große Steuermann“ am 26. Dezember 1893 geboren wurde. „Seitdem blühen in Shaoshan am 26. Dezember mitten im Winter die Blumen“, erklärte sie und verwies wie zum Beweis auf ein gerahmtes Foto mit rosa Blüten im weißen Schnee. Sie zeigte das Bett, in dem Mao gezeugt wurde, den Tisch, an dem er schreiben lernte, und die gemauerte Wanne im Innenhof, wo die Familie ihre Fäkalien sammelte, bevor sie als Dünger auf die Felder gebracht wurden.

An einem Teich, in dem sich Mao des Öfteren vor den Prügeln seines des Schwimmens nicht mächtigen Vaters in Sicherheit gebracht haben soll, machten die Banker ein Gruppenfoto und spazierten dann zum Mao-Zedong-Platz. Am Sockel einer großen Statue standen Blumengestecke bereit. Per Lautsprecher wurden die Namen der Delegationsmitglieder verlesen. Und dann enthüllten sie zum Klang eines Revolutionslieds rote Transparente mit der Aufschrift „Der Vorsitzende Mao lebt in unseren Herzen bis in alle Ewigkeit“. Dem Ritual folgten ein Bankett, einige Reden und dann die Rückreise. Zweifellos hatten die Banker das Gefühl, einen äußerst produktiven Arbeitstag hinter sich zu haben.

Denn wer es wie sie in China zu etwas gebracht hat, der hat schon viele Patriotismus-Termine absolviert – so viele, dass sich die Frage nach ihrem Sinn und Unsinn längst nicht mehr stellt. Jede erfolgreiche Karriere im chinesischen Regierungsapparat oder in einem großen Staatsunternehmen wie der China Construction Bank führt einen an die wichtigen Schauplätze des „Neuen China“: zu Maos Geburtsort und zum Gründungshaus der Kommunistischen Partei in Schanghai. Zu den Stationen des „langen Marsches“ und in kommunistische Modelldörfer. Ans Grab des ersten chinesischen Kaisers, in Pekings Große Halle des Volkes und zur Startrampe der chinesischen Weltraumraketen. Jede dieser Studienreisen wird begleitet von Banketten und Sitzungen, bei denen Bekenntnisse zur Nation, zum Staat und zum System abgelegt werden. Als Souvenirs nehmen die Teilnehmer Fotos mit, die später in Ministerien oder Konzernen ihre Bürowände und Schreibtische zieren, als Trophäen des Aufstiegs wie als Erinnerung daran, wem sie ihr berufliches Vorankommen verdanken: der Kommunistischen Partei (KP), der „Mutter des chinesischen Volkes“, der „Sonne der chinesischen Nation“, der „Pioniertruppe des chinesischen Fortschritts“.

Solche Endlosschleifen sorgfältig inszenierter kollektiver Erinnerung sind eines der Machtinstrumente, mit denen die KP ihre Herrschaft vorführt. Womöglich sind sie sogar der Hauptgrund dafür, dass die Partei auch zwei Jahrzehnte, nachdem der Kommunismus weltweit für hirntot erklärt worden ist, noch fest im Sattel sitzt – fester denn je, wie viele glauben. „Die größte Leistung der Partei ist es, dass sie es geschafft hat, das ganze Volk ihrer eigenen Wahrheit zu unterwerfen“, sagt Chen Danqing.

Aus seinem Mund ist das kein Lob. Der Pekinger Maler und Kulturwissenschaftler ist bekannt als Kritiker der KP-Herrschaft und erregte Aufsehen, als er vor einigen Jahren seine Professur an der angesehenen Tsinghua-Universität kündigte, aus Protest gegen die Einmischung der Partei in seine Arbeit. Einigen Intellektuellen imponierte Chens Mut, doch die Öffentlichkeit bekam davon nichts mit, was nur belegte, dass der Professor mit seiner Kritik wohl richtig lag. „Die gesamte chinesische Geschichte ist zu einer großen Fiktion geworden, zu der es keine Alternativen gibt“, sagt Chen. „China ist die Kommunistische Partei, und die Kommunistische Partei ist China.“

Obwohl die KP „ihr“ Land der Welt geöffnet hat, behält sie die Welterklärung weiter fest in der Hand, dank Medienkontrolle und Internetzensur. Dunkle Kapitel wie das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden dabei so konsequent tabuisiert, dass die Mehrheit der Chinesen noch nie davon gehört hat, während Erfolge unverzüglich auf Pekings Verdienstkonto verbucht werden, ob es sich um Wirtschaftswachstumszahlen handelt oder um olympische Goldmedaillen. Die propagandistische Dauerbeschallung in allen Lebensbereichen soll das Einparteiensystem das offiziell den Titel „Mehrparteiensystem unter Führung der Kommunistischen Partei“ trägt – als historische Notwendigkeit erscheinen lassen. „Die Leitfunktion des Marxismus in China ist nicht von einer Person oder einer Partei entschieden worden, sondern sie ist die Wahl der Geschichte, die Wahl des Volkes“, heißt es in den Mitte Juni veröffentlichten „Sechs Warum“, Pekings jüngstem ideologischen Legitimationsraster. „Unser System ist historisch zwangsläufig, äußerst originell und höchst überlegen.“

Tatsächlich können sich unter den Chinesen nur noch die Greise an die Zeit vor der KP-Herrschaft erinnern. Dass diese sich seit 60 Jahren hält, ist eine beachtliche politische Überlebensleistung. Von den Regierungen, die im Amt waren, als Mao am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik ausrief, haben sich nur wenige obskure Regime bis heute ohne Unterbrechung behaupten können, etwa die muslimischen Monarchen in Saudi-Arabien und Katar, die ihre Macht mit Petrodollar absichern, oder der Kim-Clan des kommunistischen Bruderlandes Nordkorea, der seinen Status mit nackter Gewalt verteidigt. Auch Chinas KP versteht es bestens, Wohlstand und Gewalt wie Zuckerbrot und Peitsche einzusetzen. Doch ist ihr politischer Balanceakt ungleich komplizierter als der anderer Diktaturen.

Schließlich sind die Dimensionen ihres Reiches in jeder Hinsicht ohnegleichen. Die Bevölkerung – 1949 lebten in China 540 Millionen Menschen, heute sind es 1,3 Milliarden – ist nur einer der chinesischen Superlative. Die Volksrepublik erstreckt sich über beinahe alle Klimazonen, beherbergt fast alle Weltreligionen und umfasst das gesamte Spektrum zivilisatorischer Entwicklungsniveaus, von analphabetischen Nomaden bis zu Internetmilliardären. Chinas Probleme sprengen nicht weniger die Vorstellungskraft als seine Potenziale, und seine Katastrophen nehmen ebenso gewaltige Ausmaße an wie seine Erfolge. Wohl kein Volk hat in den vergangenen Jahrzehnten radikalere Veränderungen durchlebt als die Chinesen, deren Gesellschaftssystem gleich mehrfach durcheinandergewirbelt wurde und mit dem Sozialismus ebenso leidenschaftlich experimentierte wie mit dem Kapitalismus. Die einzige Konstante inmitten all dieser Umbrüche blieb die Herrschaft der Partei.

Diese ist selbst eine Organisation der Extreme: Was 1921 als kleine Untergrundzelle begann, die 57 utopistische Rebellen auf Anregung sowjetischer Agenten in einem Schanghaier Kontorhaus gründeten, ist heute eine Partei mit 73 Millionen Mitgliedern geworden. Damit hat China fast so viele Genossen wie Deutschland Einwohner. Doch was sie verbindet, ist längst nicht mehr der Glaube daran, dass der Kapitalismus bald an seinen inneren Widersprüchen zugrunde gehen wird und die Herrschaft des Proletariats unmittelbar bevorsteht. Ihre Mitglieder rekrutiert die Partei nicht mehr bei Bauern und Arbeitern, die unter Mao noch mehr als 90 Prozent der Parteimitglieder ausmachten, sondern vor allem bei den städtischen Eliten: Einserstudenten, Wissenschaftlern und Unternehmern.

Ein Parteibuch bietet Zugang zu Chinas besten Jobs. Wer etwas zu sagen hat, ist ein „Dangyuan“, und wer es ausnahmsweise nicht ist, hat mit Sicherheit ein Parteimitglied zur Seite. Selbst in Niederlassungen westlicher Unternehmen operieren Parteizellen, oft ohne das Wissen der ausländischen Investoren und Manager. „Die Partei ist eine Profitgruppe“, sagt der international erfolgreiche Künstler Ai Weiwei, der seinen Landsleuten vor allem als kritischer Blogger bekannt ist. „Ideologisch hat sie sich völlig frei gemacht und ist in alle Richtungen flexibel, solange ihre Mitglieder nur ihren Nutzen daraus ziehen können.“

Kommunismus sagen, Kapitalismus meinen – so heißt heute die Devise. An Sozialismus im klassischen Sinne erinnern nur noch die Herrschaftsmethoden: der absolute Machtanspruch, die militärische Organisation, die strenge Disziplin der Mitglieder und das Selbstbewusstsein, dass die Partei immer recht hat. Auch Rituale wie die Besuche von Revolutionsstätten blieben erhalten, nebst sozialistischer Rhetorik und Denkmälern von Arbeitern, deren Fäuste größer sind als ihre Köpfe.

China ohnehin nie“, sagt der Kulturwissenschaftler Chen. „Die chinesischen Kommunisten hingen viel weniger am Marxismus-Leninismus als die linken Eliten in Russland oder Europa.“ Stattdessen war der Kommunismus Mittel zum Zweck. Dass die Komintern in den zwanziger Jahren beschloss, China ins rote Lager zu holen, verhalf machtbewussten Untergrundkämpfern wie Mao Zedong zur Unterstützung mit Geld und Waffen aus dem Ausland. Andere, etwa Deng Xiaoping, sahen im Kommunismus einen Weg zur nationalen Wiedergeburt, einen chinesischen Neubeginn nach knapp einem Jahrhundert Kolonialismus. Der theoretische Überbau diente als Plattform, um Machtkämpfe als ideologische Debatten zu verpacken. Dabei ging es letztlich vor allem um persönlichen Einfluss im Namen des Patriotismus.

Das machte es der Partei leicht, sich nach dem Debakel der Kulturrevolution von den kommunistischen Werten zu trennen, ohne selbst überflüssig zu werden. Sie erhob die Vaterlandsliebe kurzerhand zur neuen Staatsideologie und legitimierte sich, indem sie sich an die Spitze des chinesischen Verlangens nach globaler Größe stellte. „Große Partei, großes China“, lautete ihr Slogan, wobei das chinesische Wort für groß („weida“) sowohl groß als auch großartig bedeutet.

Dafür schufen die Propagandisten ein Nationalgefühl, das sich aus zwei Quellen speiste: einerseits der Besinnung auf Chinas glorreiche Geschichte, andererseits der Erinnerung an die Demütigungen, die das Land seit dem Opiumkrieg durch die Kolonialmächte erlitten hatte. Dass sich der Patriotismus durch Abgrenzung vom Ausland definieren ließ, erwies sich als nützlich: Obwohl viele Chinesen der Partei nach den chaotischen Mao-Jahren kritisch gegenüberstanden, waren sie bereit, sich mit ihr zu solidarisieren, wenn sie China vom Westen angegriffen sahen. Und Demokratiebestrebungen nach westlichem Vorbild ließen sich so aus dem politischen Diskurs verbannen.

„China hat harte Zeiten hinter sich und seit dem Ende des Kaiserreichs 1911 kein stabiles kulturelles Umfeld mehr gehabt“, sagt die Pekinger Philosophieprofessorin Yu Dan, die mit populärwissenschaftlichen Büchern über den Nationalphilosophen Konfuzius Millionenauflagen erreicht. „In den vergangenen Jahrzehnten haben wir viel vom Westen übernommen. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns auf unsere eigenen Werte besinnen.“

Worin diese Werte bestehen, darüber gibt es in China kaum eine offene Debatte. Patriotisch ist, was politisch korrekt ist. War unter Mao die schlimmstmögliche Anschuldigung, jemand gehöre zur Konterrevolution, so geht heute nichts über den Vorwurf, nationale Interessen oder die Würde des chinesischen Volkes zu verletzen. Dabei braucht es nicht immer staatliche Propaganda, um Ausgrenzungsängste zu erzeugen. Schließlich wissen die Chinesen, dass die neue Stärke und das Machtbewusstsein ihres Landes vom Ausland keineswegs nur mit Wohlwollen beobachtet werden. Sondern dass viele Europäer und Amerikaner die Volksrepublik als Inbegriff ihrer Globalisierungsängste sehen und offen diskutieren, wie sich Chinas internationaler Einfluss eindämmen ließe. Das rührt an alte Empfindlichkeiten. „Warum hasst ihr uns?“, heißt der Titel eines populären Internetfilms, der viele der hässlichen antichinesischen Slogans versammelt, die in den vergangenen 150 Jahren im Westen zirkulierten, vom „Kranken Mann Asiens“ bis zur „Gelben Gefahr“.

Das Gefühl der Bedrohung wird von der Partei nach Kräften bestärkt – und ist ein gutes Geschäft. Bücher und Artikel, die beweisen sollen, dass die etablierten Industrienationen Chinas Aufstieg verhindern wollen, haben seit Jahrzehnten Konjunktur. „Chinas Nationalgefühl ist noch sehr defensiv“, sagt Song Qiang, einer der Autoren des 1996 erschienenen Buches „China kann Nein sagen“, einem Manifest des neuen, trotzigen chinesischen Selbstbewusstseins. „Aber solange wir dabei sind, unsere eigene Kultur zu entwickeln, ist es wichtig, dass wir uns gegen ausländische Einmischung schützen können.“ 2007 verkaufte sich das Buch „Währungskrieg“, das eine antichinesische Verschwörung des internationalen Großkapitals aufzudecken behauptete, rund eine Million Mal und wurde auch in Regierungszirkeln diskutiert. Noch erfolgreicher war Anfang 2009 „China ist nicht glücklich“, das einer ähnlichen Argumentation folgt.

Andererseits ist eine ganze Literaturgattung von sogenannten Großlandtheorien entstanden, die Chinas alte Stärke beschwören. „In der Menschheitsgeschichte hat es nur ein einziges Reich gegeben, das weltweit eine noch größere Bedeutung gehabt hat als das heutige Amerika, und das war das China der Tang-Dynastie“, sagt Zhu Daping, Vorsitzender des Pekinger Informationszentrums für gesellschaftliche Erziehung und Kultur, einem der größten Vertriebe für Propagandaliteratur. Doch in den mehr als tausend Jahren nach dem Ende der Tang-Zeit habe China sein Selbstbewusstsein verloren. „Damals hat China die klügsten Köpfe des Planeten angezogen und die fortschrittlichsten Ideen in die Welt zurückgetragen“, erklärt Zhu, „und aus aller Welt kamen Frauen, um mit chinesischen Männern zu schlafen, weil das ihr größter Traum war.“ Zwar verrät Zhu damit womöglich mehr über seine eigenen Wünsche als über Chinas Geschichte, doch derartige Ideen zählen zu den gehobenen Stammtisch-Themen und erreichen als Fernsehsendung hohe Einschaltquoten.

Für die Partei sind solche Debatten nützlich, denn sie untermauern ihre Theorie, dass China mit keinem anderen Land vergleichbar sei und dass westliche Ideen in der Volksrepublik keine Geltung hätten. „Menschenrechte, Demokratie, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit – all diese Konzepte werden von unserer Regierung als westlich verunglimpft und damit für unbrauchbar erklärt“, sagt der Künstler Ai Weiwei. „Das ist für sie eine wunderbare Methode, um Debatten im Keim zu ersticken.“

Doch auch die Propaganda hat Grenzen – nämlich dort, wo sie nicht mehr plausibel ist. Zwar mag es der Partei gelingen, ihr Volk von großen Systemdebatten abzuhalten. Doch wo die Schattenseiten der Einparteienherrschaft auf das echte Leben fallen, lassen sich die Menschen nicht mit Verweisen auf Chinas Größe abspeisen. Vor allem im Internet wird heftig darüber diskutiert, ob die Parteimitglieder tatsächlich „dem Volk dienen“, wie es ein alter Mao-Slogan von ihnen verlangt, oder ob sie nicht vielmehr ihre eigenen Interessen verfolgen. „Die Partei denkt, sie sei stark und der Zusammenhalt groß“, sagt Ai. „Aber in Wirklichkeit ist ihr Ansehen viel schlechter, als sie merkt.“

So erregte sich Chinas Online-Gemeinde kürzlich millionenfach über den Fall der Fußpflegerin Deng Yujiao aus der Provinz Hubei, die wegen Mordes an einem ranghohen Lokalkader zum Tode verurteilt werden sollte. Begonnen hatte alles mit einer Kurzmeldung auf einer offiziellen Nachrichtenseite, wonach Deng, die als psychisch krank beschrieben wurde, den Beamten in einem Badehaus erstochen hatte. Der Tathergang weckte bei einigen Bloggern Verdacht: Schließlich ist allgemein bekannt, dass viele Badehäuser auch als Bordell genutzt werden – kein Platz, an dem ein anständiger Parteikader anzutreffen sein sollte. Schon bald war im Netz eine detaillierte Version des Geschehens zu lesen: Demnach hatte der Beamte versucht, die 21-Jährige, die in dem Badehaus für Fußmassagen angestellt war, zu vergewaltigen, wogegen sie sich mit einem Obstmesser gewehrt hatte. Die Geschichte verbreitete sich in der chinesischen Blogosphäre wie ein Lauffeuer, und Deng wurde als „Heldin des Jahres“ gefeiert. „Unser Land ist voller ekelhafter Beamten“, lautete ein anonymer Eintrag. „Gut, dass wenigstens einer tot ist.“

Internetgemeinde mit Deng nicht nur solidarisierte, sondern teilweise auch identifizierte. „Fehlverhalten von Beamten, das im Netz offengelegt und verbreitet wird, kann gewaltige Kritik von Internetnutzern hervorrufen und die öffentliche Meinung über die Partei und Regierung radikal verändern“, hieß es Ende Mai in einem offiziellen Bericht. Um den Aufruhr zu stoppen, zog Peking den Fall an sich und ließ Deng im Juni in einem schnell anberaumten Gerichtsverfahren freisprechen.

Zu einem Propaganda-Event wurde ihr Fall trotzdem, denn Deng musste sich, soeben vor einem Justizmord bewahrt, vor ihren Rettern öffentlich verneigen. Und las dazu von einem vorbereiteten Papier ab: „Ich danke der Regierung und der Partei für alles, was sie für mich getan hat.“

Erschienen in: brand eins 8/2009

Bernhard Bartsch | 25. Juli 2009 um 04:22 Uhr

 

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