Bernhard Bartsch

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Dicker Bär im VIP-Kasino

Nordkoreas Diktatorensohn Kim Jong Nam führt ein Leben in Saus und Braus.

Manche mögen’s heiß. Während die Nordkoreaner in ungeheizten Wohnungen gegen die Kälte anschlottern, verbringt der älteste Sohn und mögliche Nachfolger ihres „Geliebten Führers“ Kim Jong Il den Winter offenbar im subtropischen Macao. Und dort am liebsten in der Sauna, wenn er nicht gerade an der Bar vor der Wahl zwischen geschüttelten oder gerührten Martinis steht, im VIP-Kasino sein Glück herausfordert oder im Hotelbett der käuflichen Liebe frönt.

Hauptwohnsitz in Macao

Kim Jong Nam führt das Leben vieler Diktatorensöhne – zumindest wenn der rundliche Mittdreißiger, der in den vergangenen Monaten regelmäßig in Macao gesichtet wurde, tatsächlich der ist, für den er gehalten wird. Denn Kim Junior scheut die Öffentlichkeit und reist unter falschem Namen. „Pang Xiong“, wörtlich „Dicker Bär“, hieß er in dem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik, mit dem er 2001 am Flughafen in Tokio verhaftet wurde. Mit seinem Sohn und zwei Frauen habe er Disneyland besuchen wollen, gab er zu Protokoll, bevor er über China nach Nordkorea ausgewiesen wurde. Auch in Bangkok und verschiedenen europäischen Städten soll sich Kim Jong Nam regelmäßig aufhalten.

Nach Berichten lokaler Medien ist sein Hauptwohnsitz jedoch seit drei Jahren die Glücksspiel-Hochburg Macao, wo er für seine Familie eine Villa gemietet haben soll. Er selbst übernachte jedoch meist in Hotels. Dass Kim Jong Nam sich Macao ausgesucht hat, ist kein Zufall: Die ehemalige portugiesischen Kolonie gehört seit 1999 wieder zur Volksrepublik China, die dem Regime seines Vaters noch immer die Treue hält. Zudem gilt Macao als Zwischenstation für Nordkoreas Geldwäsche- und Schmuggelaktivitäten. So wurden 2004 bei der Banco Delta Asia Konten mit 24 Millionen US-Dollar eingefroren; offensichtlich wollte die Bank nordkoreanisches Falschgeld in Umlauf bringen. Kurz darauf soll Kim Jong Nam im benachbarten Hongkong ein Konto unter dem Namen „Kim Chol“ eröffnet haben. Auch dort herrschen die Chinesen; das Bankgeheimnis ist jedoch besser geschützt.

Beim Vater in Ungnade

Zuletzt wurde Kim am Montag in Peking gesichtet. Mit Jeans, Baseballmütze und Rucksack checkte er ins Hotel Kempinski ein. Journalisten, die ihn dort zufällig entdeckten und auf die zeitgleich in der chinesischen Hauptstadt stattfindenden Verhandlungen zu Nordkoreas Atomwaffenprogramm ansprachen, sagte er auf Koreanisch: „Ich bin in einer privaten Angelegenheit hier.“ Dabei dürfte es sich um den 65. Geburtstag seines Vaters am Freitag handeln. Peking ist eine der wenigen Städte, von der es Flüge nach Pjöngjang gibt. Auf die Frage, ob er eines Tages das Erbe des Vaters antreten werde, erwiderte Kim: „Ich habe nichts zu sagen.“ Eine doppeldeutige Antwort: Wegen seiner Eskapaden soll Kim bei seinem Vater in Ungnade gefallen zu sein.

Bernhard Bartsch | 15. Februar 2007 um 05:30 Uhr

 

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