Bernhard Bartsch

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Der Yuan-Streit geht weiter

Im Yuan-Konflikt ist keine Lösung in Sicht. Dabei bedroht Währungsmanipulation die weltwirtschaftliche Stabilisierung ebenso wie Protektionismus.

Die Weltwirtschaft sucht nach einer neuen Balance – doch im Streit über eines der größten globalen Ungleichgewichte ist keine Lösung in Sicht: Der Konflikt um den Wechselkurs des chinesischen Yuan bleibt auch nach dem chinesisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Peking ein wirtschaftspolitischer Grabenkampf. Zwar zeigte sich US-Präsident Barack Obama „erfreut über Aussagen der chinesischen Seite, sich im Laufe der Zeit auf Wechselkurse zuzubewegen, die mehr am Markt orientiert sind“. Doch statt konkreter Zusagen machte Obamas Amtskollege Hu Jintao ihm den Vorwurf, selbst Handelsbarrieren aufzubauen, zuletzt etwa durch Strafzölle auf chinesische Stahlrohre oder Autoreifen. Für die Weltwirtschaft sei es von entscheidender Bedeutung, „noch härter gegen den Protektionismus in all seinen Erscheinungsformen anzukämpfen“, kritisierte Hu.

Der Disput schwelt seit Jahren. Die USA und andere westliche Industrienationen sind überzeugt, dass die Volksrepublik ihre Währung vorsätzlich billig hält, um ihren Exporten auf den Weltmärkten Preisvorteile zu verschaffen. China argumentiert, seine Wirtschaft müsse sich noch weiter entwickeln, bevor der Kurs des Yuan, der nicht frei handelbar und de facto an den Dollar gekoppelt ist, vom Markt bestimmt werden könne. Zuletzt benutzte Peking zudem die amerikanischen Versäumnisse bei der Finanzmarktregulierung sowie den Verfall des Dollarkurses, um sich gegen Vorhaltungen zu verwehren.

Dass der staatlich bestimmte Kurs den Yuan – auch Renminbi genannt – künstlich billig macht, gilt unter Experten als relativ unbestritten. Die Verfälschung wird auf bis zu 30 Prozent geschätzt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Renminbi unterbewertet ist“, erklärte am Dienstag der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Es sei im Interesse der globalen Wirtschaft und auch Chinas, die Währung neu zu bewerten. „Denn falsche Preise führen zu falschen Entscheidungen, besonders bei Investitionen.“ Ein grober Maßstab für den Schaden, der anderen Ländern dadurch entsteht, ist Chinas Handelsbilanzüberschuss, der im vergangenen Jahr bei 290 Milliarden Dollar lag. Insgesamt hat die Volksrepublik Devisen im Wert von 2270 Milliarden Dollar angehäuft. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass unter Chinas Währungspolitik vor allem arme Länder litten.

Doch China lässt sich nicht unter Druck setzen. Unmittelbar vor Obamas Ankunft hatte Chinas stellvertretender Handelsminister Chen Jian erklärt, es sei derzeit keine Währungsanpassung geplant. Damit versuchte er Gerüchte zu zerstreuen, wonach die chinesische Zentralbank den Kurs des Yuan künftig nicht mehr an den Dollar koppeln wolle, sondern an einen Devisenkorb.

Washingtons Finanzbeamte hatten nach Obamas Amtsantritt versucht, den Streit um den Yuan nicht mehr öffentlich zu führen. Doch je lauter China seine Protektionismusvorwürfe erhebt, umso wahrscheinlicher ist es, dass Washington den Disput wieder in die Öffentlichkeit trägt. Recht haben dabei beide Seiten – aber nur, was ihre Beschwerden am jeweils anderen angeht.

Bernhard Bartsch | 18. November 2009 um 00:47 Uhr

 

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