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Der Walkampf geht weiter

Nach dem Scheitern einer neuen Walfangregelung sieht Japan sich als Opfer unvernünftiger Tierschützer. Doch diese halten mit Kritik ebensowenig zurück.

Nach der ergebnislos beendeten Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im marokkanischen Agadir versuchen die beteiligten Parteien einander die Verantwortung für das Scheitern einer neuen Walfang-Regelung zuzuschieben. Während Umweltschützer die Schuld vor allem bei Japan, der mit Abstand größten Walfangnation, sehen, bezeichnet Tokio die Forderung nach einem vollkommenen Fangverbot in antarktischen Gewässern seinerseits als „unverständlich“.

Japans Verhandlungsführerin Yasue Funayama, Vizeministerin für Landwirtschaft, Forstwesen und Fischerei, sagte in einem Fernsehinterview, ihr Land habe bei den Gesprächen „geschwitzt und geblutet“, um einen Kompromiss zu ermöglichen. „Wir haben substantielle Zugeständnisse gemacht“, erklärte. Funayama, ohne jedoch zu verraten, wie weit Japan seine selbsternannte Fangquote von etwa 935 Minkwalen pro Jahr zu reduzieren bereit gewesen wäre. Um die Wale vor dem Aussterben zu retten, fordern die EU, Australien und Lateinamerika, die antarktischen Gewässer – die Hauptfanggründe der japanischen Walfangflotten – zu einem Schutzgebiet zu erklären. Japan bestreitet jedoch, dass die Wale dort akut gefährdet sind. „Wenn es eine kritische Situation wäre, dann würde Japan natürlich zustimmen, dass die (Quote) auf Null gebracht werden muss“, sagte Funuyama. „Wir haben aber Beweise, dass die Walbestände nachhaltig sind, solange die Fänge unter einem bestimmten Niveau gehalten werden.“

Über eine Reform der Regelung für den kommerziellen Walfang war bereits seit zwei Jahren verhandelt worden. „Ein Kompromiss, der den bestehenden Walfang unter der Kontrolle durch die IWC stellt, wäre klar vonnöten gewesen“, kritisiert der WWF. „Bedrohte Arten wie Finn- und Seiwal bleiben trotz Moratorium weiter auf der Abschussliste der Walfangnation Japan.“ Der WWF und andere Umweltorganisationen hatten die Beendigung des wissenschaftlichen Walfangs und der Jagd auf bedrohte Arten gefordert. Die Teilnehmer hoffen nun auf einen Durchbruch im nächsten Jahr – auch wenn sich bisher keiner der 88 IWC-Mitgliedsstaaten bereit erklärt hat, die Konferenz auszurichten.

Die IWC hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang verhängt. Demnach dürfen eigentlich nur indigene Völker in Grönland, Alaska und Sibirien, die auf den Walfang als Lebensgrundlage angewiesen sind, im Rahmen von IWC-Quoten weiterhin jagen. Doch auch Japan, Island und Norwegen machen weiter Jagd auf die Meeressäuger und nutzen dafür ein Schlupfloch, dass Tötungen zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Japan ist für rund zwei Drittel der etwa 1500 pro Jahr getöteten Wale verantwortlich. Da das Fleisch hinterher auf den Markt kommt wird und die Menge des verkauften Walfleisches sich seit der ersten Expedition 1987 vervierfacht hat, muss Japan sich den Vorwurf gefallen lassen, das wissenschaftliche Interesse sei nur ein Vorwand. Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS warf Japan kürzlich in einem Bericht vor, mit dem Walfang eindeutig kommerzielle Interessen zu verbinden und etwa Knorpelgewebe, Mehrfachzucker (ein gebräuchlicher Nahrungszusatz) und Kollagen (Bestandteil von Schönheitsprodukten) weltweit gewinnbringend zu vertreiben.

Doch gerade die internationale Kritik hat den Walfang in Japan zu einem Thema nationaler Selbstbehauptung gemacht. Die Walfangbefürworter argumentieren, der Walfang sei eine traditionelle Lebensweise mit 900 Jahren Geschichte. Die Fischereibehörde bezeichnet den Verzehr von Walfleisch als „wichtigen Bestandteil der japanischen Kultur“ und gründete 2006 die Vertriebsgesellschaft Whale Labo, die das Fleisch professionell vermarkten soll.

Bernhard Bartsch | 26. Juni 2010 um 21:56 Uhr

 

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