Bernhard Bartsch

TAGEBUCH EINES ASIENKORRESPONDENTEN

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Der Tenno geht in Rente

Japans Kaiser Akihito soll in den Ruhestand gehen. Der einst göttliche Tenno schrumpft damit auf das Maß eines Normalbürgers.

Kaiser sind auch nur Menschen. Sie werden alt, schneller müde und häufiger krank. Warum sollten sie da nicht wie andere Menschen in Rente gehen? In Japan, dem letzten Land mit einem Kaiser als Staatsoberhaupt, ist diese Diskussion nun entbrannt. Der 77-jährige Kaiser Akihito solle die Erlaubnis bekommen, in Pension zu gehen, fordert sein Sohn Akishino. „Ab einem gewissen Alter wird es immer schwieriger, sich um eine Vielzahl von Dingen zu kümmern“, erklärte die Nummer Zwei in der Thronfolge.

Akihito hatte im November drei Wochen mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus verbracht, eine von mehreren schweren Erkrankungen in den vergangenen Jahren. Die Imperiale Haushaltsagentur, die dem japanischen Premier untersteht und das Leben der kaiserlichen Familie regelt, müsse eine flexible Lösung finden, um seinen Vater zu entlasten, bat der Prinz. Sollte der Tenno tatsächlich in Rente gehen, wäre dies ein weiterer Schritt, ihn auf das Maß eines Normalbürgers zu schrumpfen.

Denn ursprünglich waren Japans Kaiser keineswegs Menschen, sondern Göttersöhne. Der Stammbaum der ältesten Herrscherdynastie der Welt beginnt 660 vor Christus, als die Sonnengöttin Amaterasu ihren Sohn Jimmu auf die Erde geschickt haben soll, um dort das „Reich der aufgehenden Sonne“ zu gründen.´Der heutige Kaiser Akihito gilt als 124. Nachfolger des Sonnensohnes. Allerdings musste schon sein Vater Hirohito nach den japanischen Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg auf Druck der USA seiner göttlichen Blutsbande abschwören. Seitdem gilt der Tenno nur noch als „nationales Wahrzeichen“. Akihito hatte als erster Kaiser eine Bürgerliche geheiratet.

Mit Kronprinz Naruhito, würde das Kaiserhaus einen weiteren Schritt in Richtung Normalität machen. Das Familienleben des 51-Jährigen ist in Japan ein offen diskutiertes Klatschthema. Seine Frau Masako wurde unter dem öffentlichen Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären, depressiv. Das Paar hat eine Tochter, Aiko. Da lange kein anderer männlicher Nachfolger in Sicht war, wurde diskutiert, ob nicht auch eine Frau auf den Thron kommen könnte. Doch seit Naruhitos jüngerer Bruder Akishino 2006 doch noch einen Sohn bekam, wurde die Gesetzesreform zu den Akten gelegt. Ein Kaiser, der in Rente gehen darf, ist den Japanern vorerst modern genug.

Bernhard Bartsch | 01. Dezember 2011 um 03:00 Uhr

 

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